schülerbedürfnisse

„Sie, ich übe jetzt jeden Tag spagat!“
Überrascht drehte ich mich um und sah mir den Sprecher genauer an.Vor mir stand nicht etwa ein kleines Mädchen mit Zöpfen sondern tatsächlich Mr. D aus meiner Klasse. Ein 16 jähriger Unruhestifter, gerade frisch aus einer suspendierung zurück, jemand der fröhlich und ohne Hintergedanken bei der Frage nach seinem Tag erzählt, dass er freunde getroffen hat die gerade jemanden bestehlen wollten.
„So,  Spagat also. Das ist ja…toll. Wie kommst du ausgerechnet auf Spagat?“ frage ich leicht irritiert
„Ja Sie,  wollen Sie mal sehen wie weit ich schon komme? Da, ich zeigs Ihnen.“ antwortet er aufgeregt noc ehe ich ihm sagen kann, dass die Stunde angefangen hat und das wohl nicht der richtige Zeitpunkt ist vor mir und der Klasse in den Spagat zu fallen. Allerdings hört er schon knapp nach Schulterbreite japsend auf und erklärt mit Märtyrermiene, dass es so für den Anfang reicht.
„Na Sie, seid der Suspendierung geh ich jetzt einmal die Woche zum Kickboxen und da gibts so was voll cooles. Da tritt man wie in so nem Karate Kid Film und da muss man den Fuss bis über die Schulter nehmen können! Voll schwer sag ich Ihnen…“
Ich stelle mir den hochgewachsenen, schlaksig leicht ungelenken Mr.D vor wie er gerade Jackie Chan erklärt, dass er heute nicht üben kann seine Jacke aufzuhängen weil seine Freunde doch gerad ein auto klauen wollen.
„Ich bin zwar kein Kickboxer aber es ist sicher etwas anderes ob man sich nun in den Spagat fallen lässt und dabei fest an die Schwerkraft glaubt oder ob man mit Schwung einen Tritt landet…“ versuche ich zu erklären ehe er mir weitere Demonstrationen anbieten kann.
„Ja aber Sie,…“ kann er noch einwerfen da steht aufeinmal Mr. P mit seinem charmanten Gaunergrinsen direkt zwischen uns und verkündet:
„Sie ich kann auch das Bein so hoch! Wollen Sie mal sehen?“
„Nein, die Stunde geht jetzt weiter….“
„Ach nicht so wichtig, ich zeigs ihnen trotzdem“ werd ich euphorisch in meinen bemühungen unterbrochen.
Während Mr. P mich anstrahlt versucht er Mr.D dazu zu überreden seine Hand ca 2m hoch zu halten, doch der hört ihm gar nicht zu. Hat er doch in meiner Praxislehrperson einen neuen und geduldigen zuhörer gefunden!
Kurzer Hand lasse ich die beiden Spagat-Jungs allein mit ihren Problemen und scheuche den Rest der munter schwatzenden Klasse von den Fensterbänken. Aufseufzend bitte ich innerlich um etwas mehr Geduld und baue mich mit dem GEdanken an wochenende in nur 40minuten auf.

Naja, immerhin hatten wir jetzt eine bewegte Pause. auch nicht schlecht.

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