Ab wann ist man alt?

Was ist nur los mit uns? Da sind wir nun zwei fite Junge Mittzwanziger und wenn einer wach ist kann man fast sicher sein, dass der andere entweder tief und fest schläft oder ihm die augen zuklappen bis man zu diesem verzweifelten ich-bin-wach-schielen kommt und schliesslich mit dem Kopf auf die Sofalehne rummst.

Ätzend!
Was is hier los mit feucht, fröhlichen Partys, langen Nächten, viel Alkohol und den ganzen anderen Jugend- und Studentensünden von denen mir immer vorgeschwärmt wird?! Für mich steht fest: Mir doch egal ob Disney meine Vorstellung von Liebe in die falsche Richtung gelenkt hat…Nein, Hollywood hat meine Vorstellung von Studium und einem Leben nach 18 falsch dargestellt und mir unnütze Vorstellungen untergejubelt. Na so was aber auch -.-

Donnerstag und Freitag sind schon recht verschwommen in meinen Erinnerungen, so als würde ich durch eine dieser alten Buntglasfenster gucken wo man immer nur ein Stückchen von draussen sieht aber nie das ganze Bild. Auf jeden Fall war mein Freitag relativ spektakulär. Nachdem die Nacht von Donnerstag sich als Zeitverschwendung entpuppte und ich übermüdet, übellaunig und nervös aus dem Bett gekrochen war schockierte ich meine Komaklasse. Nachdem mir ein rauher Umgangston nicht nur empfohlen sondern von den Schülern gewünscht wurde begann ich den Tag mit: „Hallo zusammen, wir sehen uns wieder zu Geschichte und ich möchte gleich klarstellen, dass ich heute keinen guten Tag habe. Das heisst, wer mich nervt fliegt raus!“ Buff. Da hatten sie ihre klare Ansage. 18 grosse Knopfaugen sahen mich überrascht an. Wer bisher geschlafen hatte oder in Prügeleinen verstrickt war unterbrach seine Tätigkeit und schenkte mir seine Aufmerksamkeit. Wo kam denn das aufeinmal her? Was es das neu und ungewohnte, oder hatte ich etwa den Ton getroffen den sie sich untereinander gewohnt waren? Mir war die Antwort schlicht weg egal. NAtürlich warf ich niemanden raus…Mr. K bekam von mir eine, nein 2 Verwarnungen und ein Gespräch mit dem Klassenlehrer. Den 4 fehlenden Schülern trug ich die versäumte Zeit klar und nachvollziehbar ein.

Die erste Klasse war geschafft, meine Müdigkeit hielt sich tapfer.
Der Knackpunkt an diesem Tag stellt ja mein Dozentenbesuch in GEschichte dar. Der Donnerstag Abend war eine Katastrophe, weil sich plötzlich nicht nur alle Medien gegen mich verschworen hatten sondern ich seid Tagen auch schon eine plausible und spannende Unterrichtseinheit suchte. Von Dienstagabend bis Donnerstag Nacht war es ein Disaster.
Dementsprechend waren auch meine Erwartungen an die Stunde  und die selbstvorwürfe frassen mich auf. Hier kommt meine Klasse ins Spiel. Zweite Stunde am FReitag, fliegender wechsel zwischen GEschichte – Deutsch, Komaklasse – Stammklasse. Mr. P hatte sich gestern wortreich bei mir entschuldigt und für heute abgemeldet. Spontan fehlte auch Mr. D …die beiden auf die ich mich in GEschichte sonst immer verlassen kann weil sie mit ihren neugierigen Fragen die anderen meistens an der Stunde interessieren können. Freitag verlief das anders…
wie gewohnt gab ich mein Aufgaben aus. Kommasetzung, Übungsaufgaben, wer mich braucht oder was nicht versteht kann mich holen, Lösungen liegen sonst vorn. Nein ich werde nicht so lange schlafen wie ihr arbeitet, ich bin da. Als ich so meine müde Wenigkeit und die lustlosen Schüler am Freitag vorm Wochenende betrachtete liess ich mich zu einer Bitte hinreissen.
Ich teile meine Sorgen mit ihnen wegen dem bevorstehenden Besuch und bat mir ihre Hilfe aus. Etwas weniger schwatzen und etwas mehr Engagement, Diskussionen kämen immer gut aber wir wollen ja nicht zu viel verlangen und mir würde es schon reichen wenn alle die Hausaufgaben hätten….Oh, schlimmer Satz, da ging der Sturm los.
„Ja Sie, welche Aufgaben?“ „Sie, wir haben gar keine auf!“ „He was is los ich bin Portugiese!“ „Sie ich hab die schon in der Stunde gemacht…“ “ Ich hab die, kann ihnen alles erzählen aber mein Blatt fehlt!“ „He das dor ist ja mein Matheheft, was tut das dort?“ „Sie, noch mal von vorn…w a s?!“
die Frage wurde geklärt…80% haben nichts gehabt. Voller Mitleid und Verständnis versprachen alle noch in dieser Pause die aufgaben zu machen oder sich das Blatt von der Parallelklasse zu holen, die ja schon mit mir verglichen hatte. Ich war überrascht. Und auch ein bisschen geschmeichelt. Wie sich herausstellte hatten sie nämlich keine Mittagspause sondern eine zusätzliche Stunde und trotzdem hatten am Ende ALLE die Aufgaben. Seufz. Danke ^^

Mitten in Deutsch wurde ich schliesslich doch noch überrascht.
„Sie würden sie sich eigentlich mal mit mir treffen nach der Schule?“ schallte es durch den relativ stillen Raum. Mr. T…hab ich mir doch schon fast gedacht, seine Freundin fiel fast die Kinnlade auf den Tisch aber sie hielt sich zurück und wartete gespannt ab was da noch so kommen würde, wie auch der Rest der Klasse.
„Wie jetzt fragst du mich nach einem Date?“ wollte ich lachend wissen und fügte in Gedanken noch ein: du kleiner unreifer Bengel, hinterher.
„Ja Sie, muss man ja nicht so nennen aber wär doch nich schlecht.“ Oh, vorsicht Mr. T du bewegst dich auf dünnem Eis, so schmal wie die Augen deiner Freundin sind würde ich an deiner Stelle schnell eine Bank Abstand zwischen euch bringen, dachte ich mir. Vorher bin ich gerad überden Freund ausgequetscht wurden. Woher, wie, alt, wie gross, wo zur Schule, was macht er…etc es hiess wenn sie schon mal was persönliches fragen sollen wir auch drauf einsteigen. Mit einem klaren Zwischen-den-Zeilen-Verweis darauf liess ich ihn wissen das er mir dafür dann doch zu klein sei und er sich um seine Freundin kümmern soll damit sie ihn nicht im ekligen Tafelschwamm ertränkt. Die Klasse lachte, sie beruhigte sich, er schluckte an der öffentlichen Abfuhr. Gerade als ich mich den anderen zuwende versuchte er sich zu retten: „Naja Sie sind ja eh 20 Jahre älter als ich das würd ich eh nich machen…“

Puhh war da die Luft raus bei mir…Spass schön und gut aber so was! Ich war doch nicht ALT!! Aber noch bevor ich etwas entgegnen konnte brach in meiner Klasse eine Stampede…die Mädchen sprangen auf und waren fuchsteufels wild… o.Ô
„So was sagt man nicht zu einer Frau.“ „He was soll denn das!“ „Hast du am Anfang nich zugehört wie alt sie is?“ „Kein Benehmen oder was?“ Dies und noch viel mehr folg durch die Klasse und und liess Mr T recht klein werden. Wutschnaubend stellte ich die Sachlage richtig und machte ihn darauf aufmerksam, dass ich hete drei fertige Übungen von ihm sehen wolle und mir seine Diktat sehr genau anschauen würde. Also ehrlich, das hat man davon wenn man nett ist. Tststs…man ist doch nicht alt!

Egal, wir gingen in Frieden auseinander. Die Geschichte Stunde wurde eine solider Erfolg und es gab noch nie so eine ruhige und aufmerksame Klasse, Mr. T war sehr fleissig und verabschiedete sich persönlich und leicht geknickt. Wir kriegen das mit dem Fettnäpfchen wieder hin, Entertainer!
Sollte es jemand aus der Klasse lesen (oh bitte nicht!) ein grosses Danke an alle 😀

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