… Es ist an der Zeit schreiend im Kreis zu rennen

Muttertag…hmm, wenn man daheim ist und die liebe Mutter persönlich sieht ist das alles kein Ding und man kann selbstgemachte Sachen verschenken oder der liebsten Mama unter die Arme greifen. Wenn man allerdings 720 km weit weg ist kann man immer nur Päckchen schicken (die ich entweder vergesse oder zu spät abschicke), E-cards schreiben (die ich immer alberner finde) oder eine Email versenden (was aber irgendwie so steril und langweilig ist). Ihr seht mein aktuelles Dilemma. Ich löse es ein bisschen öffentlicher und schreibe dann wohl doch eine Email…
“ Mama ich denk an dich und hoffe die Kleinen machen dir einen wunderschönen Tag mit vielen Muttertags Karten und Gedichten. Lass es dir gut gehen und geniess deinen Tag.
Ich hab dich lieb!“

In der Zwischenzeit liege ich mit patschnassen, frisch gewaschenen Haaren auf dem Sofa und vergewissere mich alle 15 Minuten, dass meine neue Konzerthose noch in genau der Tasche ist, wo ich sie abgelegt habe. Plötzliche Vergesslichkeit oder unerklärliche Verschwinden kann ich gerade nicht gebrauchen. Mein Arrangement ist seid 2 Uhr fertig ausgedruckt. Bis gestern noch voll zufrieden und sicher dass es nichts daran auszusetzen gibt, muss ich mich jetzt dazu zwingen, die Notenblätter nicht immer in die Hand zu nehmen und nach Fehlern zu suchen bis es zerknittert. Das Klavier hab ich gestern gemieden, wie eine Katze das Wasser, heute sitz ich bewusst auf dem Sofa um nicht mein letztes bisschen Stimme schon vor der Generalprobe zu versingen. In meinem Bad hängt eine Karte „Tschagga du schaffst das“ am Spiegel, leider musste ich sie aus meiner Sichthöhe weghängen weil ich mich selbst in dem kleinen Spiegelchen nicht gesehen hättte.  Die Mama schickte ein „Ich bin das beste Pferd im Stall“-Karte, der Freund fragt immer ob ich denn gerad wieder nervös wäre. Er kennt das von den Musikabschlussprüfungen der letzten Semester. Aber dieses Mal ist es anders, ich hab eigentlich kein Problem damit vor anderen Leuten zu singen. Wenn es Fremde sind noch besser. Aber dieses Mal bin ich nicht die einzige, die Kriterien setzt und danach über meinen Beitrag urteilt. Mein Klavierlehrer wird werten, meine Gesangslehrerin wird werten, mein Fachdozent sowieso und dann noch jemand von der Musikhochschule, der keine Ahnung hat wer ich bin…externer Examinator heisst das auch noch. Nebenbei sind noch 200 andere Gäste geladen unter denen viele Mitstudenten sitzen werden. Um so mehr ich darüber nachdenke, desto absurder finde ich das Ganze.

Die Proben haben mich bisher nur mässig begeistert. Allein war ich nicht an genaue Tempi gebunden und musste nur auf mich achten. Jetzt habe ich noch Schlagzeug, Ebass und Backingvocal auf die ich achten muss. Mein Schlagzeug ist gut, wirklich gut, vielleicht ein bisschen zu korrekt für mein Lied aber sie gibt einen guten Rahmen. Meine Bassistin macht mich leicht nervös ihre Einstellung „So lang der Rhythmus stimmt sind die Töne doch zweitrangig“ bringt mich dazu sie während dem Lied immer entsetzt anzugucken…wenn wenigstens der Rhythmus immer richtig  w ä r e. Meine Backingvocals sind super zu denen muss man nichts sagen. Bleibt noch die Technik. Ich habe schon vorher mit Mikros gesungen. Normalerweise tangiert mich das nicht. Aber am Klavier ist alles anders. Sobald ich nach den Tasten schaue überträgt das Mic nicht mehr, wenn ich Luft von hinten hole bin ich zu weit weg, ich höre mich selber nicht singen weil die Boxen so laut sind und kann meine Klavierbegleitung nur noch ahnen. Mama, was soll das werden. Bisher würde ich mich nicht mal als nervös beschreiben, besorgt triffts wohl eher (und da mach ich mich noch keine Gedanken über Haare und Outfit!).

Uff. Tief Luft holen.
Heut singen wir erst mal vor dem Chor. Hoffentlich lachen sich die beiden Berufsmusiker nicht tot, wenn wir sie von ihrem Bass und Schlagzeug vertreiben, um ein Bisschen darauf zu amateuren. Der Schlagzeuger guckt sowieso schon immer so abschätzig, aber so ist das eben, wenn man mit einem Laienchor musiziert.
Uff. Das wird schon. Tschagga ich schaff das.
Uff. Singen ist kein Ding (klopf auf Holz), Klavier wird schon irgendwie klappen.

Knisterbunt Ende, ich muss nach meiner Hose schauen gehen.

PS. Wer das hier liesst und noch nicht eingeladen war der kommt bitte auch nicht, noch mehr Leute die mich hinter meinem Klavier anstarren kann ich nicht gebrauchen.

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2 Antworten zu “… Es ist an der Zeit schreiend im Kreis zu rennen

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