Zirkeln, kneten and good Vibrations

Sonntag. Letzter Ferientag. Geschenketag. Partnermassage.

Veronika begrüsste uns im Stuhlkreis und teilte gleich mal Dossiers aus, in denen der theoretische Teil zur Massage gut zusammengefasst war. Besonders froh war ich, über die einzelnen Schritte und die Reihenfolge der verschiedenen Griffe an jedem einzelnen Körperteil. Irgendwas sagt mir, dass ich in spätestens zwei Wochen wieder auf das Heftchen zurückgreifen muss, um nicht in alte und langweilige Gewohnheiten zurück zu fallen.
Im grossen verspiegelten Raum waren fünf weitere Pärchen, die alle mehr oder weniger verhalten auf die obligatorische Begrüssungsrunde reagierten. Alt und Jung mussterte dabei die mysteriösen Massageliegen im Raum und kramte langsam die Handtücher aus den Taschen. Irgendwie war es wie im Urlaub, alle werfen ihre Handtücher auf die Liegen, um einen strategisch möglichst guten Platz zu ergattern. Der Freund und ich gingen ein bissen auf Abstand und hielten uns aus dem Gedränge, Bewegungsfreiraum und so versteht sich.
Was es bei massagen nicht alles für Sachen gibt: Streichen, Kneten, Zirkeln, Rollen, Kammgriff, V-Griff, Vibrieren und andere Begriffe ergaben in den folgenden Stunden ein genaueres Bild von Griffen und Abläufen. Erste Hemmung zeigten sich bei der Hälfte der Teilnehmer schon in der ersten Übung.“ Wie jetzt, muss ich mein Shirt ausziehen? Ich bin doch ein Mädchen. Also, heisst ich hab ja Brüste! Hier vor allen? Nur in BH? Welchen habe ich denn überhaupt an?! Naja mal gucken ob die anderen das auch so machen…“ Heimliche Blicke flogen umher und so kamen zufälliger Weise bei der ersten Übung nur die Männer in den Genuss der Massage, eh frau sich davon versichert hatte, dass die anderen Frauen ja auch nur zwei Brüste haben und voll mit ihrem eigenen Partner beschäftigt waren. (Aber als es an die Beine ging, zierten sich auch die Männer kurz die Hüllen fallen zu lassen ^^ )

Streichen war dann noch ganz einfach. Längs, quer, entgegengesetzt, in Achten…ha, so schwer kann das bisschen Massieren ja nicht sein. Kneten ging auch ganz gut. Wer ein bisschen Hüftspeck (bei den Damen natürlich Kurven) vorzuweisen hatte, machte es seinem Partner bei den ersten Handgriffen etwas einfacher. Wobei die Damen beim Fingerspitzenkneten schon recht gefordert wurden, anscheinend ist das so ne Sache mit Männern und Gewebe. Gut, dass man immer auf den mysteriösen M. trapezius zurückgreifen konnte. Zirkeln musste man im Kopf erst mal ein bisschen verstehen, dann wars nicht weiter schwierig. Klar man zirkelt, kreiseln halt mit den Fingern, Knötli, Handballen oder sogar Ellenbogen. Eigentlich kann man dabei Gewebesachen ertasten, also Verspannungen und andere Klebrigkeiten. Aber gerade heute war der Freund so locker und entspannt, dass er gleich noch sein Schulterblatt mit versteckte und so der Kursleiterin (und mir, auf der Suche nach Verspannungen) nur ein Kopfschütteln entlocken konnte. Zirkeln kann ich also ganz gut, obs  Gewebe nun klebt oder nicht krieg ich noch raus. Das mit den Vibrations ist so ein Ding für sich. Beim ersten Versuch haben alle ein bisschen geloost, wobei laut Leiterin die muskulöseren Männer im Vorteil waren. Im Laufe des Kurses entwickelten sich dann mehr oder weniger vibrierend, wackelnde Alternativen. Anscheinend muss man sich irgendwie anspannen und steif machen aber dann auch wieder nicht, am Ende war der Freund als Massierter aber zufrieden mit meiner Variante und das zählt.

Am Anfang waren noch alle andächtig still, es wurde viel geflüstert, ein eine Hälfte ware höchst konzentriert und die andere Hälfte auf Knopfdruck unglaublich tiefenentspannt. Nachdem man dann langsam die Boxershorts von allen kannte und die Frauen jeden BH taxiert hatten, wurde es etwas lebhafter. Man redete mit dem Partner, fragte nach der Reihenfolge oder ob man wirklich (wirklich?) noch fester drücken sollte. Die Mittagspause kam dann auch schon sehr überraschend und gab Gelegenheit, das neu Gelernte wieder zu vergessen.
Wir verbrachten unsere Pause ganz ernährungsplanfreundlich mit Salat und Fleisch und Brötchen beim Mc`ns und zogen uns dann zum Lesen an die Uferpromenade zurück. Mit dabei waren Kindle und Heitz, so dass mit Dissertationen und Romanen eine gute halbe Stunde an der frischen Luft verbummelt wurde.
Nach dem Essen waren alle etwas mutiger und trauten sich Gespräche anzufangen. Schliesslich waren wir mittlerweile von der Bauch- in die Rückenlage gewechselt und so konnte man den Partner beim mehr oder weniger total konzentrierten Massieren beobachten. Das dänische Pärchen tauschte noch mehr Küsschen als vorher, der gepiercte Vorzeigejunge klatschte seiner Freundin öfter auf den Po und man erfuhr etwas über die anderen Teilnehmer. („Machst sicher n Sport, hm? Tanzen?“, „Ja Trainer und Tanzen halt“, „Ach, und was da?“, „Na so alles halt. Showdance ist das.“, „Ah darum das knirschende Sprunggelenk. Mit den hohen Schühchen knickt man aber auch immer um…!“)
Mitten in der Handmassage kann der Freund nicht mehr an sich halten und beschwert sich über meine andauernd gekräuselten Finger. So könne er aber nun wirklich nicht massieren! Der Finger-streck-Griff von Veronika half zwar aber ich konnte mich vor Lachen kaum noch halten. Voller belustigter Empörung über meine Finger steht der Freund an der Massageliege und runzelt die Stirn 🙂 Das FInger-Streck-Ding hatte ich übrigens auch probiert. Nur sind die Hände vom Freund so gross, dass ich die kleinen Finger nicht wirklich bei ihm verhaken (und weiter massieren) konnte.
Warum ihn das so amüsierte weiss ich nicht ^^
Leider kann ich wenig von den lustigen Sachen weiter erzählen, da alles von einem Lachen in das nächste Lachen überging und irgendwie die Situationskomik wichtig war. Andauernd denke ich mir:“Ha, das muss ich dann in den Blog schreiben!“ Aber wenn ich drann bin weiss ich nich mehr was los war. Verwirrend.
Egal, schön wars und ich weiss jetzt, dass der Freund mich gerne noch öfter massieren wird, schliesslich haben wir nun ein Massageattest!
Danke mein lieber Freund, das war ein wunderbares Geschenk und ich freu mich drauf, das weiter zu versuchen.

Fazit ist, dass ich noch nie so viel vom Freund eingecremt wurde (und schon gar nicht an einem Tag!).
…echt viele neue Sachen gelernt habe.
…der Freund überlegt, unsere Wohnung massagefreundlich um zu räumen

Als goody des Tages, verwechselte der verliebte Freund den Zimt mit dem Chilli und reichte mir einen erfrischend ungewöhnlichen Milchshake zum entspannen ans Sofa. What a good day.

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