Game over

Freitage sind gut. Ich mag Freitag. Danach ist immer Wochenende und momentan ist der Pflichtteil schnell vorbei, so dass man noch einiges vom Tag hat. Allerdings sollte dieser Freitagabend anders werden. Zwischen 21 und 22 Uhr erreichte er die Höchstpunkte in meinem kleinen Negativ-Ranking.
Der Freund nahm mich mit auf einen Tripp über die Schweizer Pässe. An sich keine schlechte Sache, aber denkbar ungeeignet für mich.

Die Reise stand irgendwie ohnehin unter keinem guten Stern. Als wir los fuhren sollten wir nach Naviberechnungen 21:10 am Ziel sein. Super, da hat man noch was vom Abend, die Fahrt ist nicht so lang und man kann sich vielleicht noch etwas umsehen. Denkste. Nur 15 min später korrigierte unser elektrischer Freund seine Berechnungen und wies auf eine Verkehrsblockade hin. Drei Kilometer Stau und das schon bevor wir überhaupt richtig losgefahren sind. Die Stimmung sank mit der steigenden Fahrzeit, mittlerweile waren wir bei 22:10 angekommen. Der Stau sah dann nach den angegebenen 3 km auch keine Veranlassung sich aufzulösen, so dass wir die nächsten Orte im Schneckentempo beobachten konnten. Ich nutzte die Zeit, um unseren Proviant zu verkleinern und lauthals die AutoCD mitzusingen. Irgendwann war auch der Stau vorbei und wir düsten weiter. Doch bei Allem gibts ein „Aber“.

Schon am Anfang des Grimselpasses war die gute Laune aufgebraucht, meine Toleranzgrenze erreicht und schon eine Kurve später überschritten. Ich gebe es zu, als Flachländer reagiere ich mehr als empfindlich auf Haarnadelkurven bergauf und bergab. Auch der Proviant schien jetzt keine gute Idee mehr gewesen zu sein. Anscheinend machte ich das sehr klar, so dass der Freund mehr als ein bisschen beunruhigt immer wieder auf eine Pause drängte. Am Anfang dachte ich nach jeder Kurve, dass es jetzt zu ende ist (wie hoch sollten diese verflixten Berge denn bitte auch sein?!) und entschied mich gegen eine Atempause. Allerdings machte mir das Navi hier einen Strich durch die Rechnung und zeigte mir erschreckend klar an, wie viele Kurven und Serpentinen ich noch zu bewältigen hatte. Leicht desillusioniert und am Ende meiner Möglichkeiten hielten wir mitten im Nirgendwo. Ich glaube der Freund atmete genauso erleichtert auf wie ich, wenn auch aus anderen Gründen. Mit neuer Kraft ging es viel zu schnell wieder weiter. Es kam mir vor wie der Anfang eines Horrorfilms. Der Teil am Anfang in dem ein Pärchen im dunkeln durch den Wald fährt und die Musik immer düsterer wird. Auf dem Sofa denkt man immer so was wie: „Gleich passiert was, gleich passiert was! Warum fahren die da auch hin? Ich würde da nie lang fahren. Is doch klar, dass genau dort der verrückte Serienkiller mit seinem Freund dem Werwolf lebt. Neeeeein wieso steigen sie hier aus? Man hält in so einer Situation doch nicht an. Und nein, man teilt sich auch nicht auf, egal wie schlecht einem ist!“ Als der Nebel kam war mir schon fast wieder nach Lachen zumute, das war dann doch zu viel Klischee auf einmal. Weiter ging es durch eigenartig unbefestigte Tunnel, Nebenstrassen, ausgestorbene Dörfchen mitten im Nichts… und plötzlich fing es an zu regnen. Von all dem bekam ich relativ wenig mit. Wahrscheinlich sah ich aus, wie eine Schwangere die gerade Wehen veratmet, aber der Gedanke mich im neuen Auto der Freundmama zu übergeben liess mich meine letzten Kräfte mobilisieren. Das Ätzende war, dass man den Berg ja nicht nur rauf fährt und dann alles geschafft hat, nein, man muss das Ding ja auch wieder runter schaffen. Unten in einem Dörfchen angekommen wähnte ich mich sicher und wälzte im Kopf schon wieder entspannt die Probleme der Welt, als der Freund mich auf die Karte gucken liess. Der nächste Passname sprang mich förmlich an…und an rettenden Schlaf oder Entspannung war nicht mehr zu denken. Das Navi sprang zwischenzeitlich immer zwischen 22.20 und 23.20 hin und her, so dass der Freund sich Sorgen über unseren Check-In machte. Leider berührte mich das weniger. Kann mir nicht vorstellen, dass ich ihm da eine Hilfe war, zu mal ich den fälligen Anruf immer wieder auf das nächste Tal verschob. Doch das Elend hatte irgendwann ein Ende und ich konnte den Freund alleine das Hotel suchen lassen. Fertig mit den Nerven schlief ich mitten in der Pampa ein, als hätte man einen Schalter umgelegt. Weder Musik noch nervige Navistimmen oder Weckversuche vom Freund konnten hier etwas ändern. Dementsprechend war es nicht weiter verwunderlich, dass der Abend ein abruptes Ende fand, sobald wir im Hotelzimmer auf die Betten fielen.

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