Heisse Mandeln und Überholmanöver

In Zürich ist Oktoberfest. Entsetzt und leicht desorientiert irrte ich an den einschlägigen Zelten vorbei. Humtata-Musik und Jodelrufe drangen aus dem weissen Plastikzelt, hinter der die Gaudi-Elite anscheinend feierte. Doch dann kam ein kunterbunter Süssigkeitenwagen in Sichtweite. Wie man sie sonst auf Rummeln oder Märken findet. Darauf stand gross und breit „Heisse M…“, weiter kam ich mit lesen gar nicht. Das Hirn muss ja schliesslich empirischen Studien zu Folge auch nicht alle Buchstaben lesen, um ein Wort zu erkennen. Das deutsche Hirn schreibt also: „Los, Mandeln!“ Heisse. Gebrannte. Uiuiui. Innerlich trippelte ich aufgeregt auf den Zehenspitzen rum. Warme. Gebrannte. Mandeln. Und dabei ist doch noch nicht mal Weihnachten 🙂
Hocherfreut bahne ich mir in zuckriger Vorfreude den Weg nach vorn. Oh man, oh man. Nach einigen irritierten Sekunden und erschrockenem Schnüffeln kehre ich um. Mist. Vergessen. Hier bin ich in der Schweiz. Da hätte mein Hirn mal weiterlesen sollen, anstatt einem deutschen Trugschluss zum Opfer zu fallen. Maroni. In der Schweiz gibts ab dem ersten kalten Regen Maroni. Heisse Maroni. Deren Geruch immer ewig in den Sachen hängt, sobald der Deckel vom Topf ist. Enttäuschung und Unverständnis ringen mein trippelndes Zucker-Ich zu Boden.
Kastanien soll man sammeln. Mit ihnen von mir aus Männlein und kleine Tiere basteln oder die Schale knacken…einfach weils schön ist. Aber braten muss man die nicht. Echt jetzt. Langsam gehe ich zurück, noch ne Stunde bis der Freund ankommt. Was mach ich nur mit mir und ohne die Mandeln?

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Warum können manche Leute nicht überholen? Als Führerscheinlose spreche ich hierbei auch noch von Fussgängern. Wenn ich nicht überhole oder mich wahnsnnig beeile, gebe ich den Weg frei, so einfach ist das. Und trotzdem gibt es immer wieder Leute, die gerade zu langsam für ein stetes Vorankommen und gerade zu schnell für ein nebensächliches Überholen meinerseits, laufen. Als überaus toleranter und in mir ruhender Mensch bringt mich das natürlich nicht aus dem Gleichgewicht. Der Gedanke sie beiseite zu schieben oder ihnen als subtile Warnung in die Hacken zu laufen, kam mir nie. Humbug.
Überholverweigerer sind wie Vordertürstehenbleiber. Im Auto würden sie hupen und lautstark schimpfen, wenn jemand neben ihnen auf der linken Spur mit nur 0,5 km/h mehr fährt und sie bedrängt. Oder noch besser, plötzlich anzieht, wenn sie einspuren wollen. Aber auf dem Fussweg ist das okay. Was soll auch passieren, ein Auffahrunfall?! Macht doch nichts.
Ich bin da für einige grundsätzliche Regelungen:
– Wer nur eine Person ist, nimmt prinzipiell keinen Platz für drei ein, egal wie heftig man gestikulieren muss.
– Auch zu zweit muss man keine Fussgängerpassage lahmlegen, nur weil mans nicht so eilig hat oder im wahrsten Sinne des Wortes bummeln möchte.
– Plötzliche Stehenbleiber und Richtungswechsler sollten aus dem Verkehr gezogen werden.
Jawoll, der Fussweg gehört auch zum öffentlichen Verkehr!

Nachtrag: Es gibt geschmackvolle Dirndel/Trachten, die für die Wiesn (und die damit verbundene Öffentlichkeit) geeignet sind, und es gibt für nudistisch orientierte Cheerleader konzipierte Kostüme von Beate Uhse…Beides hat seinen eigenen Platz, aber keinen gemeinsamen.

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