Warum Schweizer nicht in der Schlage stehen können

Gestern im Bachmann. Schulschluss und Feierarbend, Stosszeit. Sechs Verkäuferinnen teilen sich vier Kassen und versuchen der hungrigen Menge Herr zu werden.  Aber nirgendwo eine Schlage zu sehen. Die Bachmannfrauen scheinen willkürlich zu entscheiden wer dran kommt, oder sie nehmen einfach diejenigen, die in Hörweite sind. Niemand stellt sich an, sondern drängelt einfach nach vorn an die Theke. Von der vierten Kasse aus beobachte ich die Leute und fühle mich wie in einem Ostfriesenwitz. (Deren Busse sind nämlich schrecklich breit statt lang, weil alle vorne sitzen wollen.) Plötzlich geht meine angepeilte Kassiererin einfach weg und diskutiert mit dem Mann vor mir, welche Torte er eventuell kaufen könnte. Kein Problem in der Schweiz, ein halber Schritt nach links und schon bin ich anscheinend im Zuständigkeitsbereich der anderen Frau. Niemand sagt ein Wort, keiner tut nen Wank. Schweizer Neutralität oder einfach nur Gelassenheit? In Deutschland wäre das nicht zu denken. Dort sammeln sich an allen Ecken und Enden akkurat geplante Warteschlagen und jeder weiss, wo sein Platz ist…und der wird auch nicht aufgegeben. Mit preussischer Disziplin wird schliesslich die Reihenfolge der Wartenden abgearbeitet. Hier in der Schweiz funktioniert das anscheinend anders. Kassen sind nicht nur nebeneinander, sonder auch mal hintereinander, die Kassierer brüllen dann immer „Gehen Sie weiter, hier is auch frei!!“ und die rudimentären Warteschlangen lösen sich somit andauernd auf oder verformen sich zu neuen Warteschlagenen/Wartebergen…bis wieder gerufen wird.
Auch auf den Rolltreppen steht immer „Rechts stehen, Links gehen“, damit man sich bei Eile hocharbeiten kann. Super, dass es die Regelung gibt, kann sich Deutschland was von abschneiden, allerdings wäre eine funktionierende Warteschlange von Vorteil. Bisher klappt das System noch nicht so, dabei kann man beim Reden doch auch hintereinander stehen…
Von der Bachmannfrau aus meinen Gedanken gerissen, kann ich endlich meine Bestellung aufgeben. Kaum ist sie weg, kommt eine Zweite und fragt, ob ich schon bedient werde. „Ha!“ denk ich mir und nicke grinsend, bis mich die Dritte der sechs Damen mit der selben Frage anspricht. Menno.

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