Kinder, Quell der Freude

„PAPIII….“ Quietscht es mir entgegen. Auf dem Bahnhof rennt ein Mann rum, an jeder Hand ein Kind. Kleine blonde Dingerchen sind das, wie sie da so hinterher trippeln. Eltern die ihre Kinder am Arm fassen und dabei nicht merken, dass die Kleinen schon auf der äusseren Kante ihrer Zehenspitzen trippeln, mag ich nicht. Sieht man doch. Merkt man doch. Doof. „Papi,“ jammerte das Kleine mittlerweile nur noch ganz leise,“is muss mal.“ Als ich es mir genauer anschaute wunderte ich mich, wie das Kleine so schnell laufen konnte, das es überhaupt lief fand ich schon wunderlich, ging mir ja schliesslich gerade mal bis zum Knie! „Jetzt nicht!“, herrschte der Vater den Jungen an ohne runter zu gucken, musste ja auch den anderen stillen Jungen weiter zerren, keine Zeit, ihr versteht schon.“Ich habe dir gesagt du sollst nicht so viel trinken.“ Hektisch, keine Zeit. „Papiii“ maunzte der Mini, „tut mis lait, *schnief* muss Pipi.“ „Ich habs dir gesagt, jetzt kann ich nichts ändern, bist selber schuld.“ All das spielte sich in den knapp zehn Metern der Bahnhofshalle ab, danach hörte ich nur noch das hohe wimmern vom trippelnden Kind. Ich wette es hat sich in die Hosen gemacht, bei der Kälte, geschieht dem Vater recht, wenn er sich jetzt um das nasse und heulende Kind kümmern muss.

Sonnenschein Nummer zwei traf ich beim Einkaufen. Schon fünf Regale vorher hörte man lautes Kreischen, Krietschen und Quengeln. Will dies, will das, NAIN *schepper* Die Quelle des Übels begegnete mir an der Kasse, der kinderfreundlichen Süssigkeiten freien Kasse. Zeter und Mordio machten es mir ein bisschen schwer mich auf meine Sachen zu konzentrieren. „Ich will das!“ heulte das Kind wie eine Sirene auf, erst als die Mutter seufzend eine Kasse weiter ging und Malteser kaufe verstand ich was da los war. Kopfschüttelnd kümmerte ich mich um meine Sachen, Pädagoge hin oder her, wer bin ich mich um fremde Kinder mitten im Migros zu kümmern. Und dann auch noch so laute! Soll die Mutter ihm doch weiter Malteser in den Rachen schieben, bis er den Mund zuviel nimmt. Der Vater war nicht glücklich, mit mürrischem Gesicht verlud er die Einkäufe auf das Laufband. „Mattheo, jetzt bleib doch mal hier.“ „Naaaain“ kreischte klein Mattheo“Will jetzt!“ „Mattheo, du kannst das nachher wegbringen, jetzt stehen wir an der Kasse.“ „Naaaaain“ weigerte sich die Nervensäge und rauschte mit seinem Kinderkorb davon, die wild rasselnden Räder zeigten der müden Mutter in welche Richtung sie schlurfen musste. Fasziniert beobachtete ich das Schauspiel aus den Augenwinkeln. Es war wie ein Unfall, man musste einfach hingucken auch wenn man wusste, das es nicht gut endet. Nain, nain, naaaaain, echte es mir entgegen. Uiuiui, innerlich packte ich mein Popcorn aus. Wusch, sauste das Laute an mir vorbei, wahrscheinlich war es Absicht, dass es nicht die Kasse mit dem Vater war. „Jetzt, jetzt, jetzt“ kreischte es und donnerte seinen Kinderkorb gegen die grossen Körbe. Einfach so. „Mattheo“ keuchte die Mutter hinterher. „Jetzt nicht!!“ Herrschte der Vater ihn erneut an.“Sofort zurück!“ zu meiner Überraschung schlurfte Mattheo leise maulend zu seinem Vater und umrundete dessen Kasse. Wo die Mutter war konnte ich nicht sehen, vielleicht auf der Bank zusammengebrochen. Inzwischen stand ich mit meiner Tüte unauffällig beim Kaffebohnenschredderer und verfolgte das Geschehen weiter. „So Mattheo, jetzt können wir beide deinen Wagen wegbringen.“ Flötete der Vater gutmütig „Ja!Naaain!Will nicht?“ ningelte es unentschlossen. Schliesslich brüllte er „Pfooort!“, fuhr einem Mann gegen das Bein und schob seinen Kindereinkaufswagen mit der Fahne in die Schlange der grossen Wägen.
Kinder, ein steter Quell der Freude. Ich sags doch. Und Eltern erst.

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