Zeitverschwendung ganz Praxisnah

Dienstage sind gut. An Dienstagn fängt der Uni Tag erst nach dem Mittag an, so kann man noch einige ausstehenden Dinge erledigen, Hausaufgabentexte lesen oder unliebsame Leistungsnachweise erweitern. So der Stand der Dinge. Heute war die Ausnahme. Es gab ein Gespräch mit dem Mentor.

Standortgespräch nennt sich das Ganze, was mitten im Semester irgendwo mal untergebracht werden muss. Studibuschfunk zu folge sind wir so ziemlich die letzte Gruppe, welche sich mit dem befasst hat. Alle anderen haben das schon irgendwie vor/in den Blockwochen erledigt.
Vorbildlich wie ich bin, stand ich auch heute viel zu früh für einen eigentlich freien Vormittag auf und sah mir die Unterlagen noch mal durch. Diese waren nämlich noch mal eine ganz eigene Arbeit für sich! Naiv und uninformiert nahm ich mir am Wochenende vor doch mal die ganzen doofen Blätter zusammen zu suchen, bis gestern Abend lief ich wie ein kopfloses und leicht verärgertes Huhn durch die Wohnung und suchte Reflexionen und Rückmeldungen zusammen, die ich nicht mal hatte. Am Ende folgte dann die grosse Druckorgie,  das ganze war so kompliziert, dass irgendwann der Freund helfend eingreifen musste. Alle Formulare mussten nämlich nicht nur für mich bereitstehen sondern (laut dazugehöriger Broschüre) auch noch für den Mentor kopiert werden. Zu diesen Formularen gehörten aber auch 5 vollkommen neue Kompetenzblätter, eine Bilanz und eine Selbstbeurteilung von denen ich erst recht spät erfuhr. Ja ja Broschüre lesen und eher mit den Aufgaben anfangen, aber ich dachte halt es wäre nur zum schnell greifen und losgehen. Denkste. Nachdem ich die gefühlten 50 Seiten auch noch duplexmässig für den Mentor aufgearbeitet hatte, setzte ich mich heute früh also noch fix drüber.
Mit preussischer Pünktlichkeit stand ich zehn Minuten zu früh vor der Tür und verzog mich auf einen der Sprechstundensessel. Aus den zehn Minuten wurden schliesslich 25, da anscheinend ein Debatte entbrannt war, die kein Ende finden wollte. Zum allgemeinen Schrecken gesellte sich auch noch meine Grundjahr-Mentorin zu mir. Huihuihui, nichts wie weg.
Endlich beim Mentor war ich dann aber leicht ratlos. Der Mensch irritiert mich. Er ist einer von diesen leisen Dauerlächlern, ich rechne schon jeden Moment damit, dass er die Hände faltet und leise anfängt zu singen.
Auf die Smaltalkfrage wie es mir geht antwortete ich wohl etwas zu ehrlich für ihn, dass es halt aufs Semesterende zugeht und man die verbleibenden 5 Wochen jetzt deutlich spürt. Leistungsnachweise, Hausaufgaben, Vorträge…you know?!
Leicht aus dem Konzept gebracht lenkte er hastig wieder auf ein anderes Thema und ermutigte mich mehrmals offen und ehrlich zu sprechen. Im Nachhinein könnte er das als einen Fehler betrachten. Als ich erwähnte, dass meine Ansprechpersonen nicht nur unorganisiert sondern auch uninformiert waren verwies er doch darauf, dass einfach zu viele der Studenten und auch Lehrer die wichtigen Broschüren gar nicht oder nur punktuell lesen, da wären ja eigentlich alle Informationen drin. Eine Schande is das, wo man sich doch so viel Arbeit mache.
In einem weiteren Schritt nahm ich meine fleissig ausgefüllten Kompetenzblätter hervor.
Ja, warum ich die Dokumente denn ausgefüllt hätte, die Studentin vor mir habe das auch schon dabei gehabt und ob das von den Fachlehrern kommt.
Ähm nein, steht in der Broschüre zum Gespräch. Da erste Seite.
Oh mann wo kommen wir denn da hin wenn nicht mal mehr die Dozenten ihre eigenen Unterlagen lesen…

Die verbleibende Zeit diskutierten wir nur noch über den Sinn oder Unsinn bestimmter Aufgaben, Formulare und Haltungen. Will sagen, ich diskutierte und er versuchte angestrengt an mir vorbei zureden. Zusammenfassungen von den frustrierenden 45 Minuten: Ich bin genau so schlau wie vorher, er hat meine Ansichten gehört aber eigentlich waren sie egal.
Mit einem „Alles wie immer“-Gefühl machte ich mich auf den Weg zur Uni …und wurde noch mal zurück gerufen. Ja er habe da noch mein Mäppchen. Hä, bitte was? Ja na, mein Mäppchen, oder sei das etwa für ihn? Na halt Broschüreauftrag, kopieren, alles für den Mentor und so….? Ach so, na das habe er in der ersten Lektion gesagt, das hätte ich nicht bringen müssen, weil er da eh keine Erkenntnisse draus nehmen kann. 
Empört stand ich auf der Treppe und schnappte wie ein Fisch nach Luft. Ja aber der Auftrag! Mein Kopiermarathon! Die Unterlagen! Der inzwischen geschlossenen Tür war das egal.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uni-Leben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s