man nehme 20 Wochenstunden…

Ferien. Semesterferien. Und dann auch noch die letzten Winterferien, die ich in meiner regulären Unizeit erleben sollte! Und womit vertreibe ich mir die Zeit? Unter der Woche bin ich jetzt Dompteur, Erzieher, Ansprechperson, böser Mensch, Entertainer, Coach und vor allem Lehrer von 65 Teenagern. Ich habs ja so gewollt.

20 Wochenstunden klingt gar nicht so viel. Lehrer haben ja eh den halben Tag frei und die Ferien nicht vergessen, ach ja Ferien… Alles Mythos! Meine grosszügig bemessene Mittagspause spielt sich zu grossen Teilen im Computer- oder Vorbereitungsraum des Lehrerzimmers ab. Ich bin immer (ausser der ÖV streikt) eine halbe Stunde vor den verschlafenen Kinderlein in der Schule und bleibe nach der letzten Lektion noch eine Stunde länger, damit ich mich früh morgens nicht mit den lieben Kollegen um den Kopierer streiten muss. Freistunden sind gefüllt mit Besprechungen oder Vorbereitungen im Klassenzimmer. Da müssen Posten ausgelegt werden, die Technik neu eingestellt werden, Sand und Plastilin muss an seinen Platz, vorher noch kurz übers Klavier klimpern, den Beamer anschalten, die Tafel wischen, Stapel von Geschichtsbüchern organisieren und zwischendurch den Raum wechseln. Am Ende des Tages kommt es da schon mal vor, dass man sein Mittagessen auf dem Heimweg heimlich im Bus verputzt.
Zehn Stunden muss ich als unbezahlter Praktikant zusätzlich in der Schule bleiben, zur Vorbereitung. Wichtige Sitzungen, Elternabende, Schulinsel und Klassenstunden sind hier noch nicht dabei. Mit unseren durchschnittlich errechneten 46,6 Wochenstunden müssen wir Lehrer uns also gar nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. (Zweiflern lege ich immer gern den Zebis Artikel ans Herz. ^^ )

Woche eins von vier ist erledigt. Ich bin es auch. Der Freund ist die letzten Tage schlafverachtend mit mir um sechs aus dem Schlaf gerissen wurden und schliesslich Richtung Bus getaumelt. Dafür, dass ich frühs nicht alleine aufstehen muss (ich hätte nie Frühstück, nie!) gehe ich zehn Minuten eher aus dem Haus und fahre mit ihm vom Bahnhof ab, anstatt meine nahegelegene S-Bahn zu nutzen. Kompromisse, Beziehung, frühs Händchen halten…check.

Heute ging der grosse zentrale Drucker/Kopierer/Scanner im Lehrerzimmer nicht mehr. Nach kurzer einheitlicher Verwunderung begann der grosse Paniklauf in die Computerräume um möglichst als Erster auf den kleinen, veralteten und unglaublich langsamen Farbdrucker zugreifen zu können. Man ahnt es ja nicht. Verwöhnt von Duplexdruck in Broschürenformat mit mehreren Kopien auf einer Seite war der „Alternativdrucker“ ein echter Nackenklatscher für jede Zeitplanung. Meine Musikklasse brauchte ein doppelseitiges Arbeitsblatt zur Gitarre und eigentlich auch noch den aktuellen Liedtext. Da ich zwei Klassen ohne Pause hintereinander unterrichte, ist da keine Zeit noch mal auf den Kopiergott zu vertrauen. Es mussten also von jedem Blatt 30 Stück her. Wer mitgezählt hat weiss, wir sind bei 90 Seiten für Schüler plus die Exemplare für mich und meinen Betreuer. Todesmutig stürzte ich mich an den zum Glück noch hochgefahrenen Praktikanten-PC und schickte den Druckauftrag raus. Als Erste.

0stress

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