Remidemmi und Radau

Bei uns geht heute alles ein bisschen durcheinander. Grund dafür sind Französisch und Mathe. Wo mich das mit Deutsch und Geschichte betrifft, war mir noch nicht klar. Aber dann kam der Knaller. Beide Fächer haben Prüfungen eingetragen, die noch ins alte Semester sollen. Leider müssen die Noten schon am Mittwoch fertig sein und jetzt hiess es stapeln. Wie eine Mischung von Tetris und Bazar kam mir das vor. Es wurde geschoben, geschachert, getauscht und geboten… Ende vom Lied ist, dass alle Prüfungen geschrieben werden können, dafür mussten meine Stunden herhalten. Geschichte gab es nicht mehr in zwei Doppelstunden sondern wir tauschten plötzlich über Kreuz. Erfahren habe ich das 5 Minuten vorm Stundenklingeln. Erste Stunde Klasse A, zweite Stunde Klasse B, siebte Stunde Klasse B und dann auch noch achte Stunde Klasse A. Es war zum Mäuse melken. Morgen geht auch ein Teil der Doppelstunde verloren und wird dann am Donnerstag nachgeholt, in meiner Freistunde. Dafür kommt am Donnerstag in der regulären Stunde der Zahnarzt, diese Stunde wird dann aber nicht nachgeholt. Ich sags doch, der reinste Tetrisbazar!

Spontan habe ich mich dann dafür entschieden meinen Kindern heute schon ihre Deutschnoten zu geben. Damit ich Diskussionen und Reklamationen genug Vorlaufzeit geben kann. Denn die kommen immer, egal wie fair und transparent man doch bewertet.
„Ja Sie, das mit der Prüfung geht ja gar nicht ich habe doch beim Hörverständnis hingeschrieben, dass die in einem Garten sind.“
„Ja genau, du hast geschrieben, dass sie in einem Garten sind aber man hört das doch gar nicht, keiner sagt was davon.“
„Ja na aber, da hats dochVögel, die hört man bestimmt und dann weiss man, dass die in einem Garten sind.“
„…Genau und wenn du DAS hingeschrieben hättest, hättest du sicher auch den Punkt mehr bekommen, aber einfach nur „Garten“ ohne das man weiss, wie du darauf kommst geht eben nicht.“
„Hä, wie jetzt?!“

Interessant war zum Thema Industrialisierung auch ein Streitgespräch zwischen Fabrikbesitzern und Fabrikarbeitern:
„Na wenn ihr uns nicht mehr Geld gebt kommen wir einfach nicht mehr…“
Da muss ich eingreifen, sonst hört das wieder niemand: „Wichtiger Punkt, die wollen ihre Arbeit verweigern, was haltet ihr davon?“
die Reaktion kommt prompt: „Ja na ihr seid hässlich und könnt bleiben wo ihr seid.“
So war das aber nicht geplant, wo bleiben denn die in Deutsch geübten Diskussionsregeln zum guten Argumentieren? „Denkst du das hätten die Fabrikbesitzer gesagt?“
„Na ne eigentlich nicht…He, Ich bin der Boss hier und habe die Macht, fertig Gespräch!“

Mit der Zeit schaukelten die Gemüter sich immer mehr hoch. War ja auch so gewollt. Schön, dass der Unterricht so gut funktioniert, denk ich mir gerade, als sich die Damen plötzlich gegenseitig ankeifen. Leicht verdattert stehe ich am Rand und warte noch kurz, ob das thematisch relevant sein könnte. Ging ja heiss her zwischen Arbeiter und Unternehmer, sonst bräuchte es schliesslich keinen Streik. Aber nein, wir waren von unseren Kompromissvorschlägen „Zwei Euro mehr Lohn und Zehn Minuten länger Pause“ bei „Boar man, dann Schlagen wir euch einfach bis ihr arbeitet!“ „Ja aber wenn wir eure Fabrik abbrennen und ihr drin seid!“ angekommen.
Kopfschüttelnd wartete ich darauf, dass andere Gruppenmitglieder eingreifen. Da flüstert einer meiner Schüler verständnisvoll in meine Richtung:
„Darum waren früher alle, die solche Diskussionen führen konnten, Männer!“
Interessanter Ansatz: „Weil sie wussten, was für ihre Arbeit wirklich wichtig ist?“
„Nein, die hatten nicht so hohe Stimmen! Klingt besser wenn man brüllt…“

Ob mein Stundenziel mit diesem Fazit erreicht ist? Eher weniger, aber auch kein schlechter Ansatz.

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