Alltag – Ich glaubs ja nicht!

Heute schneit es. Un das nicht irgendwie so ein bisschen sondern richtig grosse Flocken, alles ist weiss. Wunderbar. Mit dem Schnee kommt aber auch immer eine gewisse Verspätung im öffentlichen Verkehr. Heute war ich aber recht entspannt, meine Stunde ging erst zehn nach acht los und rein regulär bin ich schon 7.30 Uhr in der Schule. Was soll schon passieren, ich bin vorbereitet.
Im Bus gab es schon Ansagen, dass es wegen starkem Schneefall zu massiven Verspätungen kommen könnte. Kurz die Uhr geprüft und beruhigt, keinen Stress am frühen Morgen.
7.32 Uhr fuhr ich vor die Schule und stapfte gemütlich durch den Schulhofschnee. Brrr Brrr. Hö, was das? Keine Panik wird schon nichts sein, also ein paar Stockwerke hoch und ins Vorbereitungszimmer, die verschneiten Sachen ablegen und Handy kontrollieren. C hat angerufen. He, Halt…hat die nicht eigentlich gerade Schule bei meiner Klasse? Fix zurückgerufen und im Laufschritt den Flur zum Klassenzimmer genommen. C hat verpennt. Ist ja kein Problem, kann jedem mal passieren, die Stunde ist ja erst zehn Minuten alt, da habe ich hier schon ganz anderes erlebt, wenn man sich im Lehrerzimmer mal festquatscht oder noch die letzten organisatorischen Problemchen klären muss. Hab ich mich also schnell verpflichtet auf die Rasselbande acht zu geben und ihnen Aufgaben zu kommen zu lassen.
Für eine Lehrerlose Klasse waren sie eigentlich ganz manierlich. Drei sassen auf den Tischen, zwei malten an der Tafel, die Jungen kicherten sich zu Tode und eine arbeitete tatsächlich. Schnell den Stand der Dinge erklärt, alle zur Ordnung gerufen und schon lief die vertretene Vertretungsstunde reibungslos weiter. In Französisch wo ich wohlgemerkt absolut gar keine Ahnung von habe. Excusez-moi. 

Beschwingt wechselten wir nach dem Klingeln von französischen Verben auf deutsche Gedichte und waren ganz im Alltag gefangen, als ich durch die offene Tür sah, wie C ins Vorbereitungszimmer stürzte. Schnell bei den Schülern entschuldigen und dann nach der Stunde den Direktor suchen, jemand muss uns noch die Unterschrift auf dem Vertretungs-Arbeitsvertrag geben.
Also wechselten wir gleich gemeinsam mit den Schülern die Zimmer und legten unsere Verträge vor.

„Hattest du heute ein Problem am Morgen?“ Fragt er C so von der Seite. Diese, sowieso ganz verunsichert und dauernd am entschuldigen fängt gleich von vorn an ihre Geschichte zu erzählen. Bevor das Ganze vor den Schülern noch zu einem Kniefall ausartet werfe ich kurz ein „Nicht schlimm, ich war ja schon in der Schule und hab nach 10 Minuten übernommen.“, ein.
„Nein.“, donnert es mir entgegen. Leicht verblüfft überlegt mein Hirn noch, ob er damit jetzt mich gemeint hat während der Mund schon antwortet. „Doch, doch, ich war schon da, als C mich angerufen hat und konnte gleich übernehmen.“ Noch während ich das sage streicht er bei C eine Arbeitsstunde auf dem Vertrag, „Warst ja nicht hier, hmm, also zahlen wir die Stunde nicht.“ ,brummelt er. „Ausserdem“,gehts gleich weiter, „hatte ich Unterricht und habe viertel vor Acht die Klasse zur Vernunft gerufen, was du sagst stimmt nicht!“ Den strafenden Blick bin ich nicht gewohnt, den Menschen kenne ich nicht, was denkt der sich? Und ehe ich mir überlege, dass ich noch eine Unterschrift von ihm brauche, bin ich schon dabei mich zu verteidigen. „Entschuldigung, aber 35 war ich in der Klasse, C wann haben wir telefoniert, da war ich ja schon oben im Flur!“ So leicht lasse ich mich nicht abkanzeln, ein Danke weil ich einfach so eine fremde Stunde übernommen haben wäre doch ne Sache, oder? Im festen Glauben, dass er sich entschuldigen wird, überrascht mich doch der weitere Gesprächsverlauf. “ C, das ist kein Problem kann ja mal passieren, ich habe schnell darauf reagiert und die Klasse zur Ordnung gerufen, machen Sie sich keine Gedanken. Aber was Sie sagen (wieder an mein perplexes Ich) stimmt einfach nicht und wird damit eine Lüge. Dreiviertel war ich in Ihrem Stock in der Klasse!“ Völlig zu Unrecht beschuldigt und langsam echt angepisst, frage ich eine Schülerin, die gerade an uns vorbeiläuft wann ich denn bei ihnen in der Klasse war. „Ja Sie, so zehn Minuten nach dem Klingeln, 35 hatte ich gerade die erste Aufgabe fertig,“ Zum Glück hatte ich gerade die Eine-Jene-Welche erwischt, die gearbeitet hatte.“Gerade als der Herr Direktor raus war sind sie rein gekommen!“
Für uns hiess das jetzt zwei verschiedene Sachen. „Sehen Sie!“ Sagte er mit einem massregelndem Blick zu mir. „Aha, deine Klassenzimmeruhr hat auch kein Glas mehr, dass die Zeiger vor Schülerfingern schützt.“, dachte ich mir nach einem kurzen Blick. Geschiet ihm recht, soll er die Schüler doch zehn Minuten früher gehen lassen, der überzieht eh immer.

Für mich heisst das ganz einfach, dass ich solche Freundschaftsdienste nicht mehr anbieten werde. Ich habe es mir gekniffen, zu fragen, ob ich jetzt die Stunde statt C bezahlt kriege. Eine Unterschrift auf meinem Vertrag habe ich auch noch nicht bekommen. Entrüstet musste erst mal ein heisser Kaffee her.
Hallo Schulalltag, ich brauche neue Rüstung und eine sichere Uhr! Und nein, ans Telefon gehe ich jetzt nicht.

0aufundab

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