Die Klitzekleinen und die grossen kleinen Sachen

Tatsächlich habe ich vor 10 Tagen das letzte Mal geschrieben.
Is ja ungeheuerlich. Aber momentan ist gerade auch irgendwie die Luft raus. Nach sonnigen 24 Grad zeigte sich das Wetter verschneit und jetzt vernebelt. Das nahmen meine Setzlinge krumm und so verabschiedeten sich schon mal 4 von 12 Chillipflänzchen (dabei sahen sie den verschneiten Balkon nur durch das Fenster vom flauschig warmen Wohnzimmer aus).
Ansonsten sind die Tage ruhig und die Abende noch ruhiger. Auch der Freund läuft gerade auf Sparflamme, so dass wir mal gemeinsam ruhig sind… kaum zu glauben und das in unserem Haushalt o.Ô

Aber halt da ist ja doch was passiert.
Letzte Woche beehrte uns der Postbote. Mit im Schlepptau hatte er einen unscheinbaren Brief von meiner Uni in der mir mitgeteilt wurde, dass ich meine Diplomstunde sehr zur allgemeinen Zufriedenheit mit einem neutralen „sehr gut“ bestanden habe. Knackpunkt war, dass ich an diesem Tag bei einer Kollegin übernachtete, so musste der Freund als Notfallkurier den Umschlag öffnen und mir alles original erfreut übermitteln. Man freute sich angemessen, vergass aber verwirrender Weise ordentlich darauf anzustossen. Hmpf.
Nun hätte der Brief aber schon vor 3 Wochen da sein sollen und tatsächlich stellte sich heraus, dass die Uni zwar alle Briefe fertig hatte aber sie irgendwo in einem Regal vergessen gegangen sind, so dass wir noch 21 weitere Tage an unseren Fingernägeln kauen konnten. Sauladen diese Univerwaltung. Aber Schwamm drüber, mir fiel ein Steinchen vom Herzen. Nicht das ich mir jetzt wahnsinnige Sorgen gemacht hätte (bis auf das obligatorische nervös machen und schlecht reden natürlich), aber mit der entgültigen Entscheidung schwarz auf weiss ist es doch besser. 😀

Doch wie kam es, dass ich mitten in der (Uni-)pflichtigen Woche fremdübernachtet habe?
Neben unseren vier Schülfächern haben wir ja alle eine Spezialisierung gewählt. Theater war meine Wahl, die ich rein vom Aufwand her, nicht noch einmal treffen würde. Ende vom Lied ist, dass wir ein Theaterstück mit einer Schulklasse einüben und aufführen müssen, so dass wir dann einen schlauen Text darüber schreiben können. Da in vorangegangenen Modulen schon ein Stück selber geschrieben werden musste planten wir genau unser Stück bei einer Kollegin in der Klasse. Der Kindergartenklasse. Ein Wahnsinnsprojekt könnte man das ganze auch nennen.
Durch die (schon ausführlich beschriebene) Unzuverlässigkeit anderer Lehrer hatte ich also die Möglichkeit schon Montag statt Dienstag mit den grossen Kleinen verbringen zu können. Noch ein wenig schüchtern aber schon ganz bei der Sache lernte ich also die Waldemar-Kinder kennen. Die Geschichte wurde erzählt, die Rollen verteilt, Fehler gefunden und erste Basisspiele ausprobiert, ganz theaterpädagogisch natürlich. Da ja nebenbei noch meine reguläre Uni lief verabschiedete ich mich nach dem Mittag und lernte die klitzekleinen Kleinen erst am nächsten Tag kennen. Der nächste Tag hies für mich immer schon 5.45 aufstehen, damit ich pünktlich 8.00 im KindsGi stehen konnte. Bus, Bahn und Auto…you know? Die Minis waren herzig. Bis auf ein Mädchen waren alle Kinder in unserem Märchenmix Zwerge gewurden. Mit ihrem dünnen „Heiho“-Lied brachten sie mich unglaublich zum Lachen! Wir erlebten eine überraschend anstrengende Turnstunde, mit der weder die Lehrperson noch die Kinder gerechnet hatten und am wenigsten natürlich ich. Es wurde Figuren gegangen, Bindungen geknüpft, gezählt und erste Rollen probiert. Natürlich wurde auch fangen gespielt. Man glaubt es nicht wie anstrengend es für alte Studis sein kann, wenn 7 Kinder als Fänger NUR HINTER DIR her rennen und die anderen 8 Kinder dir praktisch IMMER im Weg stehen, weil sie vor Lachen nicht mehr rennen können. Ihnen rein von der Schnelligkeit wegzurennen ist ja bei den Meisten nicht das Problem, um das auszugleichen nahmen wir einfach mehr Fänger, aber sie sind ja nicht dumm. Wie die Ratten kamen sie aus aaaaaallen Ecken und Richtungen nur um mich gleich wieder von hinten anzutippen, sobald ich freigelaufen wurde. uff.
Schliesslich standen noch Kostümproben an, ein pädagogischer BErater aus dem Theater beehrte uns, das Stück wurde teilweise um geschrieben, damit mehr Kinder beteiligt werden können, Bühnenbilder wurden gemalt, gebastelt und nach vielen Hilferufen auch aufgehängt. Am Freitag hatten wir zwei Komplettproben, wo sie lernten wann sie zu „Ohhh“en und zu „Ahhh“en haben aber auch wo sie lang laufen müssen. Dabei habe ich gelernt, dass es für Kindergartenkinder nicht selbstversändlich ist, dass sie laut reden müssen wenn sie Theater spielen, SIE verstehen sich ja gegenseitig. Wer kann schon was dafür, wenn das Publikum so weit weg sitzt?!
Momentan probt meine Leidgeprüfte Kollegin jetzt allein mit ihnen weiter. Ich schlage dann als keine Motivationsspritze erst zur Generalprobe wieder auf.
Boar bin ich gespannt. Ob jeder weiss, wo sein Platz ist? Ob das mollige portugisische Mädchen in seinem schreiend grellen Reifrockkleid wohl endlich seinen Text kennt? Und ob der böse Wolf sich wohl endlich traut das Mädchen wirklich zu schnappen, statt sich zu verstecken? Die Auflösung dazu nächste Woche.

Morgen erst mal von 10-17.00 ganze 5 Stunden historische Didaktik für die ich mir wirklich wichtige Unterlagen mitnehmen werde, für ein anderes Fach versteht sich…die Zeit muss man nutzen. Dann Bass spielen und ab zur Generalprobe!
Soweit das Neuste…adieu

0Fruchttier

Advertisements

Eine Antwort zu “Die Klitzekleinen und die grossen kleinen Sachen

  1. Ach das wird schon alles! Und selbst wenn nicht: die Kleinen (zumindest die Klitzekleinen) haben doch einfach einen natürlichen Charme, sodass alle sie knuffig finden werden, selbst wenn am Ende der Wolf das dicke Rotkäppchen frisst, die Zwerge anfangen Fangen zu spielen und man kein Wort versteht.
    Ich habe in den letzten Jahren gelernt bei Schulprojekten seht tief zu stapeln und mich dann positiv überraschen zu lassen 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s