Von Blättern und Stöcken

Heute zehn vor sieben. Irritiert gucke ich in meinen Uni-Rucksack. Ausser zwei ausgedruckten Blättern und den Drumsticks vom Freund ist da nichts drin. Kein schwerer Laptop, keine Ladekabel, Agenda ist überflüssig und weitere Unterlagen nicht nötig. Mit dem Gefühl irgendwas wichtiges vergessen zu haben mache ich mich also mit leichtem Gepäck auf den Weg. Donnerstag steht dieses Semester ganz im Zeichen der Musik, ein Bandprojekt begleitet uns jetzt schon die letzten Monate. Für mich irgendwie ein Highlight der sonst etwas drögen Module. Von Bruno Mars bis Coldplay waren wir dabei. Zu sechst war es nicht immer einfach aber jedes Lied hatte seine Stellen, die man unbewusst noch zwei Tage später vor sich hinsummte. Ganz im Sinne meines Bandinstruments konnte ich mich 3x am Bass verausgaben, habe aber mit Schlagzeug die Runde angefangen und beendet. Gerade durch multifunktionell einsetzbare Allaround-Talente in unserer Gruppe wurde das Projekt an sich eine super Erfahrung.

Heute trafen wir uns zum letzten Mal und etwas Wehmut kommt auf. Mit unserem fast schon greifbaren Abschluss verabschiedet man sich nicht nur von einigen Dozenten sondern auch von der Routine des gemeinsamen Miteinander. Klar haben wir noch ein ganzes Semester vor uns. Kein Drama bitte! Heisst das doch erst mal 3 Monate Ferien und dann wieder 3 Monate in denen man sich sieht. Aber momentan wird zum ersten mal klar, was man dann wieder hinter sich lässt. Obwohl das Ländchen nicht ganz so gross ist habe ich so meine Zweifel ob wir uns nach dem Studium noch mal in der Konstellation treffen werden… mit 6 Frau sind wir ja noch ein enorm kleiner Kurs und finden jetzt schon keine Termine zum Ausgang.

Zurück beim Thema legten wir mit Viva La Vida heute noch einen souveränen Modulabschluss hin. Diverse Koordinationsunfähigkeiten am Drum wurden grosszügig belächelt hingenommen. Als blutiger Anfänger spürte ich nach den ersten 132 Takten erste Abnutzungserscheinungen. Gerade errechnet gab das 528 Bass-Schläge die doch bitte rhythmisch gegeben werden wollten…druchgehend und unbeeindruckt von allen anderen Anforderungen. Was vorher noch so easy peasy aussah wurde mit dem Gedanken an 4 bis 5 weitere Wiederholungen doch etwas bedrohlich. Im weiteren Verlauf wurden verheerende Parallelen zu Ringo Starr gefunden, denn ganz offensichtlich gingen meine Achtel im Kampf mit Muskelkater im Bein und Zählen im Kopf ein wenig unter. Nach ein paar Hilfestellungen und einer gewissen Eingewöhnungszeit mit vielen gewollt lustigen Ausschüttelübungen gings an die erste Aufnahme und mit der gesamten noch vorhandenen Konzentration klappten nicht nur die Übergänge sondern auch die Achtel und sämtliche andere Pattern. Wer nicht solches Glück hatte verlangte eine zweite Aufnahme die für meine Person recht katastrophal war. Kein Anfang, nicht mit gezählt, Aua dort und vergessener Übergang hier und ein verkorkstes Ende. Klar auf welche Aufnahme meine Wahl fiel. Schade nur, dass diese im Laufe der Aufregung gelöscht wurde. Äähm, nun ja. Trotz allem haben wir mit der Aufnahme weiter gearbeitet und für 80 (-10) Minuten ein ansehnliches Ergebnis erzielt. Also stopfte ich meine zwei Blätter und zwei Stöcke wieder in den leeren Rucksack und verbringe den verregneten Tag jetzt mit Plänen für die Ferien.

Da ich unsere akustische Version noch nicht hochladen kann, bleibt das Original erst mal als Pltzhalter:

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