Und, wie finden Sie meinen Sohn?

„Öhm.“ Das war wohl das Wort, welches ich heute abend in meinem Kopf am öftesten gehört habe.
Wie viel Ehrlichkeit erhoffen/befürchten Eltern bei so einer Frage? Es gibt so viel Platz zwischen einem kreuz ehrlichen und sehr subjektiven „am Ende der ersten Woche bin ich wegen ihm verzweifelt aus der Schule gegangen.“ und „Er ist ein netter Schüler, recht still im Unterricht aber sehr geschwätzig mit Kollegen.“
Ich versuchte mich am besser angekommenden Teil. War ja nicht gelogen, nur eigentlich alles verschwiegen. Sicher is der L. ein ganz netter, wenn er mal aufhört mit den Jungs der nächsten 3 Bänke zu schwatzen. Wenn er mal seine Aufgaben macht statt die Nägel zu kaufen und wenn (wenn!) er tatsächlich mal mitarbeitet statt die Zeit abzusitzen.
Seiner Mum ist jedenfalls klar, dass der L. ein ganz Besonderer ist. Dacht ich mir doch schon. Der steht seinen Mann, sagt sie. Er spricht nicht viel aber sein Verstand ist total schnell und dann erst sein gewaltiger Wortschatz! Meine Antwort, dass wir uns ja noch nich mal nen Monat kennen und er noch Zeit hat mir den Wortschatz auch mal im Unterricht zu zeigen, fand sie nich so dolle. Weil nämlich die andere Lehrerin die war mit dem so *man denke sich zwei gekreuzte Finger* Die wusste wie man den L. handhaben muss. Und der kam mit ihr gut aus und sei jetzt so überrumpelt von dem Lehrerwechsel.
Ich habe das Gefühl, dass sogar ein jahrelang anrollender Gletscher den L. noch überrumpeln würde.
Nachdem wir uns also rund fünf Minuten lang gegenseitig versicherten wie sozial und einfach ihr Sohn doch sei, zog sie von dannen.

Mein nächster Kontakt war eine lustige neugierige Person. Fragen hatte er keine an mich. Sein Sohn hat mal von der neuen Lehrerin erzählt, da wollte er einfach mal ein Gesicht zu kennen. Mal Fragen wo ich so her komme. Wie lange ich da schon her komme und was ich eigentlich hier mache. Dann ging er wieder.

Sonst stand ich viel in der Gegend rum. Meinen Teil zur grossen Präsentation habe ich geliefert, die Eltern wollten grösstenteils nur mal „shake hands“ machen. War mir ganz recht so, stellten die sich doch alle mit Nachnahmen vor und meistens konnte ich erst wirklich reagieren wenn der Kindername fiel.

Wäre das auch überstanden. Elternabend, abgehakt.

0realität

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