Das mit den Wochentagen

Heute früh besuchte mich total unerwartet eine Schülerin. Soll ja vorkommen bei meinem Beruf. Allerdings war ich eine Stunde vor meinem Schulanfang da – sie auch.
Aus mysteriösen Umständen habe sie gestern die Test-Übungsstunde verpasst und musste nun heute früh dafür herhalten. (Der arme Kollege, der extra früher kommen musste…) Jedenfalls habe sie das nun geübt und der Lehrermensch habe überzogen. Frechheit. Oh ja das war mir aufgefallen, hatte ja schon vor 15 Minuten geklingelt und alle anderen waren davon gewuselt.
Auf die Frage wo sie denn jetzt sein sollte und ob sie keinen Unterricht habe sagte sie: „Musik. Abbr isch blaib mal hier. Is ja nich wichtig, so was.“ Im gleichen Atemzug sprach das Kind:“ Sie sin doch auch Musiklehrer, sing Se mir was vor?“.
Während ich noch verdattert guckte und überlegte ob ich jetzt beleidigt sein soll, weil Musik (wie sie weiss „mein“ Fach) nicht wichtig ist oder etwas zur spontan geforderten Soloeinlage sagen soll kam meine Chefin. Auch sie plötzlich, schliesslich sollte ja nach Plan noch gar nicht da sein.
Sie habe da so Briefe, mit Werbung und Lesematerial, das sollen die Schüler mit den Zeugnissen bekommen. Wofür wir Werbung verteilen und das auch noch mit den Zeugnissen ist mir schleierhaft. Um alles richtig zustellen merkte ich an: „Aber Zeugnisse gibts erst am Freitag.“ (kann ja sein, das is wichtige, schnelle Werbung…)
Stille.
„Ja aber heute ist doch Freitag, oder?“ – meine verdatterte Chefin wurde unsicher, schaut zu mir, schaut zu der einzelnen Schülerin deren Anwesenheit sie überhaupt nicht in Frage stellte.
„Jo“ – deren Antwort, während sie auf dem, in der Schule verbotenen, Handy rum tippste, was die Chefin aber anscheinend nicht störte.
Mein erster Gedanke war: Panik. Heute Zeugnisse? Warum nicht morgen? Bist du darauf vorbereitet?
Aber noch während diese Gedanken in meinem Kopf amok liefen murmelte im Hintergrund schon eine beruhigende Stimme: „Du weisst das heute Freitag ist. Du hast die Zeugnisse schon gedruckt. Abgabe ist aber erst am Nachmittag. Ganz ruhig.“

Nachdem ich meiner leicht irritierten Chefin das Versehen erklärt habe und sie gegangen ist schaute ich trotzdem noch mal in mein abgeschlossenes Schränkchen, ob die Murmelstimme auch recht hat. Nur zur Sicherheit. Und gesungen hab isch nisch.

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