Ticktack

Abends halb sechs und ich sitze in meinem Klassenzimmer. Natürlich nicht einfach so, weil die Raumgestaltung hier so schön ist, sondern weil ich auf ein Elterngespräch warte. In den nächsten zwei Wochen muss ich jedes Elternpärchen mal mit ihrem Spross gesehen haben.
Der Anfang ist schon gemacht. Der J. ist mir im Schulalltag ein wenig suspekt, so jemand der dir die Tür vor der Nase zumacht wenn er dich sieht, um sie dann zu öffnen wenn du am verzweifeln bist und dich bedanken musst. Entsprechend schwer tat ich mich mit den ganzen Selbst-Fremd-Irgendwie-Beruteilungen und musste mir Hilfe holen. Mal eine zweite Meinung zu meiner Einschätzung und eine Absicherung für mich. Erleichterung bei mir als meine (sehr optimistische und elternfreundliche) Einschätzung noch ein Stück runtergestrichen wurde.
Der Vater sah das nicht so. Ja wo genau, an welchen fassbaren und nachvollziehbaren Beispielen ich das bitte sehen wolle? Öhm, okay. Damit konnte ich schon dienen. Gefiel im dann aber auch nicht. Ein sehr engagierter Mensch war das, der mit seiner Präsenz sowohl Mutter als auch (Hauptfigur) Sohn übertrumpfte. Aber der J. sagt eh nicht viel, auch im Unterricht nicht. Mein Dialog Elterngespräch endete dann auch 20 Minuten vor der veranschlagten Zeit. Aber unsere Differenzen wurden von meinem pädagogisch, diplomatischen Talent ausgeräumt. Eher nein. Ich kam ihm einfach einen winzigen Schritt entgegen (Nein, als Psychater und irgendwelche Abklärungen brauchen wir nicht, ich hab ja nur gesagt er könnte netter zu anderen sein…) und wir nahmen uns das nächste Thema vor.
Aber mal ehrlich, so eine Standortbestimmung ist auch nichts dolles. Wir haben in der Schule alles haargenau vorbereitet, die Eltern konnten das zwei Wochen lang mit sich rumschleppen  und jetzt sehen wir uns nochmals, um über genau das, was wir alle schon wissen, noch mal zu reden. Ähm, joar. Der J. brachte nun auch keine überraschend kreativen oder neuen Gedanken ein und so war ich froh, als die Mutter beim Verabschieden noch ein bisschen Smal talk einstreute. Die erste Wortmeldung, aber immerhin!

Mein nächster Termin kommt in einer halben Stunde, eine Stunde warte ich schon. Eltern sind halt selten wie Tetris und haben einfach keine 100% kompatiblen Zeiten zur Verfügung. Ich werd mich dann mal an die Tür stellen, die schliesst nämlich ab 15.30 automatisch und dann kommt man ohne Schlüssel nicht mehr rein. Also auch keine Eltern zu mir. Was macht sich da besser für den ersten Eindruck, als mit einem Stapel Korrekturhefte im Erdgeschoss vor der Tür rumzulungern?

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