Von Testosteron und Taktik

Und plötzlich sauste neben meinem Ohr ein Ball vorbei. Haarscharf will ich dazu sagen und aus einer Richtung mit der ich nicht gerechnet habe! Die Freitags-Jungs sind nämlich alle im vorderen Teil der Halle damit beschäftigt sich gegenseitig gegen Hallenwände zu drängeln und dabei mit möglichst vielen Bällen abzuschiessen. Das habe ich im Auge, schliesslich kenne ich meine Pappenheimer. Einmal richtig in Fahrt kann es schon mal vorkommen, dass da plötzlich ein bis fünf Bälle gleichzeitig geworfen werden und das in alle Richtungen, nur um auch keine Chance ungenutzt zu lassen. Das Einzige was sie aufhält (und das erstaunt mich immer wieder) sind die Mädchen. Eine klare Regel, die von denen gewünscht wurde ist nämlich: Die vor Kraft strotzenden, energiegeladenen, recht brutal schiessenden Jungen dürfen nur halbe Kraft auf Mädchen werfen. Und selbst damit haben die genug zu tun! Am Anfang der Stunde wird diese Regel immer nochmals betont und (wer hätte es gedacht) von den Herren tatsächlich berücksichtigt. Das ich auch ein Mädchen bin ist dabei allerdings nicht vorgesehen 🙂
Um die gröbsten Rangeleien zu verhindern suche ich mir immer einen guten Aussichtspunkt und habe die Buben im Blick. Heute stehe ich in der relativen Sicherheit des Geräteschuppens, der ha so einen Türrahmen an den es sich herrlich anlehnen lässt. Links wo meine Freitags-Jungs sich tummeln ist die Wand und was von vorn kommt hab ich inSichtweite. Nicht eingerechnet ist dabei der Ball von schräg rechts, der meiner Meinung nach mitten aus dem Nichts auftaucht.
Ja hab ich da einen übersehen?
Immer noch kräftig blinzelnd schiele ich vorsichtig nach rechts (jetzt nur nichts anmerken lassen!) und sehe eine zu Tode erschrockene N. die sich hinter (?!) den  Kletterstangen versteckt.
DAzu muss man sagen, dass meine Mädels nicht blöd sind, wenn die Jungs in ihrem Testosteron ertrinken dann gehen die ganz gemessenen Schrittes in irgendeine Ecke und machen sich unsichtbar, total unaufgeregt. Während die Buben sich mit Urzeitschreien hinterherjagen, besprechen die Mädels die neusten Trends, wer gerade wieder nach Schweiss riecht, was sie am Wochenende machen und welche Nagellackfarbe geplant ist. Die Jungen rennen an ihnen vorbei als wären sie Strassenschilder.
Die erschrockene N. und die daneben vor Lachen auf dem Boden kniende J. haben also genau diese Auszeit genutzt und wollten einen der Bälle wegschiessen, nicht dass so einer von den Typen noch zu ihnen kommt. Mitten im Gestikulieren warf die N. also besagten Ball, wohin war egal, die flogen überall. Mangelnde Konzentration, Technik und Absicht brachten den Ball dann so knapp vor mich, dass es schon fast ein Attentat war.
Während die beiden sich nun auf dem Boden schief Lachen, fange auch ich an zu grinsen, kenne das ja, werfen und so… Dabei mache ich einen betont auffälligen Schritt aus dem Türrahmen und zeige zur Kletterstange wobei ich laut und überrascht rufe: “ Oh schaut mal, die N. und die J. verstecken sich da anscheinend!“

Während sich die Herde zusammenrottet sehe ich noch die Gesichtszüge von N entgleisen, ehe sie die Flucht ergreift und ich mich kichernd gegen den „sicheren“ Türrahmen rutschen lasse.

0creativity

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