Kinder hüten

Heute ist die zweite Oberstufe unterwegs. Also eigentlich sollten alle weg sein. Wir haben Berufsbesichtigungen ausgeschrieben und alle sollten in irgendwelchen Berufen stecken und sich das mal angucken. Allerdings gibt es ja immer Einige die aus dem Rahmen fallen. Solche die ihren Beruf schon sicher haben, solche die schon wissen dass sie wiederholen müssen, die zu faul waren sich mit dem Formular zu beschäftigen oder die von den angebotenen Jobs keinen anschauen wollten.
Heute hüte ich mal den Restjahrgang, der setzt sich aus acht verirrten Schäfchen zusammen, die in der Schule bleiben müssen und Aufgaben haben. Für mich als Aufsicht führende Lehrperson gibt es kaum etwas langweiligeres als 5 Stunden am Pult zu sitzen und nichts zu tun.  Alles ist vorbereitet, die Kinder haben Aufgaben und die Uhr tickt vor sich hin.

Zwischendrin setze ich mich mal an verschiedene Tischgruppen, damit ich nicht einschlafe und auf dem Laufenden bleibe. Eigentlich wollte ich ja gucken ob sie Hilfe brauchen und wie sie so arbeiten, aber jedesmal gibt es wichtige Fragen oder Themen die dann mal eben erörtert werden müssen.
So sprach Schäfchen C. gerade von ihren Überlegungen wie sie denn mal gebären möchte. Stille in der „Klasse“ zum ersten Mal seid Stundenbeginn. Um die teilweise anstrengend lauschenden und gleichzeitig ultraviolett anlaufenden Herren zu entlasten setze ich mich zu der Gruppe. Also nicht, dass es für sie(C.) in irgendeiner Art aktuell oder relevant wäre, aber man muss da schon mal drüber nachdenken. Man könne ja Kinder daheim, im Taxi, per Kaiserschnitt oder sogar auf dem WC kriegen. Während ich angestrengt versuche seriös und verständnisvoll zu gucken haben die anderen Mädchen aufgegeben und hängen lachend an der Tischkante.
Wie genau unsere Unterhaltung dann von den verschiedenen Geburtsmethoden zur Zahnarztausbildung ihrer Cousine driftete ist auch mir nicht ganz klar. Zwischendrin war auch mal die musikalisch/künstlerische Ausbildung am Gymnasium ein Punkt, die hintergründigen Verbindungen erschliessen sich mir nicht. Irgendwann habe ich mich auf lachendes Kopfschütteln beschränkt.

In der grossen Pause war  Lehrerbrunch, immer ein Highlight und nicht immer so zivilisiert, wie man eigentlich denken sollte. Als Ausgleich (und weil ich böse Lehrerin deswegen 5 Minuten die Pause überzog) brachte ich Kekse mit.
Als hätte ich ein Stück Fleisch in ein Piranha -Becken gehalten stürzten sich mein, eben noch so lethargischen, Schüler auf die Schüssel. Zwei, drei, fünf Kekse wurden auf einmal in den Mund gestopft, nur damit kein Anderer sie bekommt. Futterneid ist auch hier sehr verbreitet.
Die Methode hat sich als erstaunlich gewinnbringend erwiesen, mit Keksen aller Art kann man Schüler entweder für ruhiges Arbeiten belohnen und damit das Verhalten fürs nächste Mal wiederholbar machen, oder aber den lästigen Objekten den Mund stopfen.

Genug gebloggt, ich muss mal gucken das die Kinder in den verbleibenden Stunden auch wirklich was tun als nur zu malen und dabei Kekskrümel zu jagen.

0shhhh

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