Es ist vorbei

Seid 12 Uhr sind bei uns offiziell Ferien, also Ferien für die Schüler, wir haben natürlich unterrichtsfreie Zeit, aber wen kümmert das? Den Tag heute musste ich mit dem berühmten lachenden und weinenden Auge bestreiten.

Dabei habe ich „meine Schule“ jetzt hinter mir gelassen. Ich habe meine erste Oberstufe in die freie Welt verabschiedet und vor lauter Chaos vielen Schülern weiterhin schöne Ferien gewünscht, wobei die meisten jetzt schon bald eine Lehre anfangen. Ich habe mich von meiner zweiten Oberstufe verabschiedet und jedem noch einen persönlichen Wunsch mit auf den Weg gegeben. Natürlich fiel mir das bei den einen leichter als bei den anderen, aber ich habe alle gern in die Ferien verabschiedet. Zum Abschied gab es noch ein paar „Wie werden Sie vermissen“ oder “ „Sie waren eine tolle Lehrerin“, die es mir nicht gerade leichter gemacht haben, als die Schüler mir eine Blume und eine unterschriebene Karte überreichten. Am liebsten hätte ich sie alle geknuddelt, aber dafür sind sie schon viel zu erwachsen, ey! Aus meinem Deutschkurs und der Parallelklasse verlassen uns viele Schüler, Schüler die mir ans Herz gewachsen sind und mit denen ich viel erlebt habe. Im Flur verabschiedeten sich alle und als die in Tränen aufgelösten Mädchen bei mir waren wurde auch mir ganz komisch zu Mute. Das sind doch meine Schüler, die können doch nicht einfach gehen! In meinem Zimmer habe ich dann versucht Haltung zu bewahren, rumheulen ist uncool.

Ich habe mein Zimmer geräumt, alle Plakate abgenommen, meinen Schrank ausgeräumt und mich beim abschliessen verwundert gefragt, wie ich denn jetzt in mein Klassenzimmer komme, wenn ich den Schlüssel abgebe. Aber mein Zimmer ist es nicht mehr, ich übergebe es an eine liebe Freundin, die ich schon in alle Vorzüge eingeweiht habe. Aber plötzlich war alles so real.

Im Team machen wir eigentlich schon seid einer Woche nichts anderes mehr als uns zu verabschieden. Die vielen Essen, Ausflüge und beisammen sitzen, trotzdem hat es mich überrascht, dass es jetzt, nach einmal umarmen und drücken, vorbei ist. Meine erste Schule, an der ich auch meine ersten Schritte als Lehrerin gemacht habe, ist jetzt nicht mehr meine Schule. Hier hatte ich Hochs und Tiefs, habe gelernt, Tipps gegeben und mich geärgert. Freunde gefunden, die Augen verdreht, Events aufgestellt und Ferien gemacht.

Die Kollegen haben mich schon jetzt für nach dem Sommer eingeladen, die Schüler wollen wissen wies mir in der neuen Schule ergeht, der Hauswart hat mir ganz melancholisch ein Abschiedsgeschenk gemacht. Als ich aus der Tür gelaufen bin musste ich erst mal schlucken. Wie ein Kind habe ich meiner Schule aus dem Autofenster zugewunken. Momentan bin ich die Lehrerform von obdachlos, die alte Schule ist vorbei und die neue hat noch nicht angefangen – momentan kann ich keine von beiden „meine“ Schule nennen. Ich kämpfe mit den Tränen. Denn jetzt ist es nicht mehr meine Schule, jetzt sind Ferien und ab jetzt bin ich Gast.

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Eine Antwort zu “Es ist vorbei

  1. da verdrückt man sich als außenstehender auch glatt ein oder zwei tränchen….freut mich so sehr, dass du dort eine gute zeit hattest, gute erinnerungen mitnimmst und so herzlich verabschiedet wurdest^^

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