Aller Anfang, …

Da war sie, die erste Woche. Neugierig, etwas skeptisch aber mit viel Motivation startete ich letzte Woche ins neue Schuljahr durch. Das sind in Zahlen 68 neue Schüler, 6 Klassenstufen, 9 neue Kollegen, 23 Ordner veraltetes Material, 6 Fächer, 1 Vorkurs, 1 neue Schule und gefühlte tausend andere Dinge.
Die ersten Kolleginnen teilten mir schon frenetisch jubelnd mit, wie wundervoll, nett, selbstständig und so wie so unersätzlich ihre Schüler sein. Was die Schule wahnsinnig tolles hat. Wie fürsorglich das Team sei…und überhaupt pupsen sie momentan Zuckerwattewolken. Da halte ich mich etwas zurück, schon jetzt zeichnet sich ab, dass meine Schüler ganz normale Teenager sind, mal mit grösseren mal mit kleineren Problemen. Stille, gesprächige, Aufmerksamkeit heischende, schüchterne, schlecht gelaunte, immer optimistische, überforderte und gelangweilte Schüler sind das. Von Allem was dabei. Und es gibt noch so viel zu tun.

Abends möchte ich eigentlich nur noch bedusselt auf dem Sofa liegen, ab und zu ein Auge aufmachen und Dr. House bei seinen alten Fällen zugucken. Die Frau Weh sprach mir heute absolut aus dem Herzen, als sie in ihrem Blog kundtat, was für enorme Aufmerksamkeit nicht nur die neuen Schüler und die eigenen Fächer, sondern auch die gesamte neue Schulumgebung beansprucht. Auch mein Arbeitsaufwand steigt irgendwie mit jeder verbrachten Stunde. Da gilt es Wochenpläne zu schreiben, Schullager zu planen, Kinder zurecht zu weisen, Ausflüge zu buchen, Musikmaterial zu bestellen, Teamsitzungen produktiv zu unterstützen und dann auch noch möglichst kreative Stunden und Medien anzubieten. Und da hat man noch keine Namen gelernt! Momentan kenne ich nur die 12 Namen, die ich jede Stunde ermahnen muss. Die anderen Schüler reagieren auf Handzeichen oder „Du“. Glück gehabt.
Gern würde ich dort weiter machen wo die vorherige Lehrerin aufgehört hat. Bei ihr sah das alles so einfach und strukturiert aus. Die Kinder taten einfach was sie tun sollten, sie war eine Autorität, Hausaufgaben waren immer da, wenn ein Kind fehlte bekam es das Material gleich geliefert. Leider muss ich mich wohl von dem Gedanken verabschieden. Abends sitze ich auf dem Sofa und schaue mit einem Auge Dr. House zu, …weil ich noch vorbereite bis der Freund mich in die Federn scheucht.

Heute war kein guter Tag für mich. Da sich das gestern abzeichnete und ich etwas Verschnaufzeit brauchte waren Gruppenarbeiten geplant. Da können sie arbeiten, präsentieren und gegenseitig besprechen…für Lehrer eigentlich auch mal ganz nett. Eine Werkstatt für die untere Klasse, eine Freiarbeitsstunde zur Vertiefung für die Mittleren und eine Recherchearbeit für die Grossen. Aber ausser Unlust und gequängel gab es nicht viel Neues, wahrscheinlich hatte ich sogar noch mehr zu tun als mit einem normal geführten Unterricht. Naja Pech gehabt. Gegen Mittag spürte ich schon wie der Berg an Verantwortung und Aufgaben, welche meine Vorgängerin sich in 12 Jahren aufgeladen und gemeistert hatte, wackelte und mich schliesslich unter sich begrub. Die Pausen waren gefüllt mit eigenen Recherchen, Materialsuche und Planungen. Der Tag hinüber. Daheim musste der Freund kurz Feuerwehr spielen und alles wieder in die richtige Bahn lenken. Darum nehme ich mir jetzt auch die Zeit alles aufzuschreiben statt schon wieder in meinen Unterlagen zu wühlen. Schliesslich muss morgens in Vorbereitungskurs stehen und es muss eine spannende Arbeit zu Europa gemacht werden! Aber was solls. Erst mal ankommen, meinte der Freund. Nicht stressen lassen, predigte er. Niemand verlangt, dass die ersten 3 Wochen problemlos laufen, war sein Argument. Aber die Kollegen, die Schüler und meine Erwartungen…, wollte ich einwerfen. „Immer mit der Ruhe, das wird schon“, unterbrach er mich.
Na gut, der wird’s schon wissen. Klar kribbelt es mich immer noch, in 10 Minuten mache ich wieder Vorbereitung und sichte mein Material, aber jetzt bin ich hier. Als Lehrer ist man irgendwie eh die Meiste Zeit am improvisieren, oder? Machen doch alle von euch so, nicht wahr? 🙂

Im Grossen und Ganzen gefällt es mir gut. Die meisten Kinder sind herzig. Das Lernumfeld ist in Ordnung. Es muss nur mehr Struktur und Disziplin rein, dann geht das auch. Klingt schon recht altmodisch, is aber wichtig.
Los gehts, tschagga, wir rocken das! 😀

0apfel

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