Von Komplimenten

Ich weiss ja nicht, wie das bei euch aussieht aber der grösste Teil meiner Kommunikation auf Arbeit läuft über ironische oder noch besser sarkastische Bemerkungen ab. So richtig ehrlich und direkte Aussagen sind da eher selten. Wahrscheinlich muss ich auch niemandem erklären, dass man als Lehrer viel öfter ein „Or, Sie sind unfair“, „Ey man, wie blöde“ oder „Ne mach ich nicht, was bilden Sie sich ein?“ hört. Ab und zu ist sogar ein „Unter Unterricht stellen wir uns was anderes vor“, „mein Kind hat im Test nur X Punkte, erklären Sie das“ oder „Ich hätte da einen Unterrichtsvorschlag für Sie“ dabei. Ist es da verwunderlich, dass man einem echten Kompliment erst mal fassungslos gegenübersteht und nach einem flappsigen Kommentar sucht? Häufen sich diese unmöglichen Vorkommnisse plötzlich, wird man misstrauisch. Okay, erst wird man freuermelder-rot und dann misstrauisch.
Mit Komplimenten kann ich nicht so gut, dann noch eher mit Kritik oder Ärger, da kann man immerhin etwas drauf erwidern. Was sagt man bei Komplimenten, ausser nett bitte und danke?

Bisher war ich, und bin es immer noch, bei uns im Team die Kleine. Ich brauche überall Hilfe: Wo ist die neue Kreide? Wo sehe ich ob jemand krank gemeldet ist? Was für ein Budget habe ich in dem Fach? Wie sieht der Jahresplan aus? etc… Tatsächlich vergeht kein Tag, an dem ich nicht mindestens 2Fragen habe.
Trotzdem meldete mir gerade der am meisten belagerte Kollege „gute Arbeit“ zurück. Als Aufmunterung, dachte ich mir.

In jeder Stunde kämpfe ich mit den Grundlagen, welche die Eltern ihren Kindern vermitteln, oder eben nicht. So hat jeder Tag seinen Tiefpunkt an dem ich meine Pädagogik hinterfrage. Jede Stunde hat am Ende einen der dumm rausgeht und mich an meinem Unterricht zweifeln lässt. Manchmal stehe ich tatsächlich vor der Klasse und denke mir in schönstem Sächsisch „Differenzieren? Für n Arsch!“

Dementsprechend realistisch ging ich in mein Chef-Gepräch. Und wurde mit Lob überschüttet. Peng. Am Anfang noch überrascht lächelt, über skeptisch grinsend, rot abwinkend, misstrauisch beobachtend, zu peinlich berührt zeigte sich meine ganze Palette an Kompliment-Strategien.
Anscheinend mache ich meine Sache gut. Im Team, in der Klasse, im fachlichen Bereich, die anderen Lehrer sehen das so, die Schüler melden das zurück, souverän und so wieso… Diese Liste lässt sich zu meinem Erstaunen noch erweitern und auf ca 20 Minuten ausdehnen, aber wie gesagt: Ich bin nicht gut mit Komplimenten. Aber wenn man den ersten Schreck mal überwunden hat, tut es gut.
komplimente, Ermunterungen, gute Worte muss man manchmal einfach hören. Klar spricht man sich sonst auch mal selbst gut zu und bekommt Unterstützung vom Umfeld, aber ernsthaft gemeinte, ausgesprochene Komplimente von Leuten, die das gleiche erlebt haben sind och was tolles.

Für mehr Komplimente und eine bessere Art sie anzunehmen.

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