Rodeln für Anfänger

Rodeln, ich dachte immer das wäre was für kleine Kinder – und dann kamen die Schweizer!

„Also im Schneelager, da gehen 2/3 rodeln und das restliche Drittel fährt Snowboard.“ Na wie jetzt, trauen die sich etwa alle nicht auf die Piste? Sogar ich, Schneeanfänger und wohl langsamster Snowboarder aller Zeiten, komme vom Berg runter. Nicht immer schön, aber ich komme unten an!
Zum rodeln kamen dann alle in voller Montur. Nur damit wir uns richtig verstehen: mit Ski Hose, Moon Boots oder Snowboardschuhen, Ski Socken, Helm, Ski Brille, verstärkten Handschuhen, Rückenprotector und Sturm Haube! Man kennt das aus Hollywood Filmen, wenn die Astronauten oder Jet Piloten in kompletter Kampfmontur auflaufen, einer an der Spitze, alle lustige Witze reissend, gemessene Schritte oder Zeitlupe verdeutlichen, wie schwer sie an ihrer Klamottenhülle Aufgabe zu tragen haben. Kann schon sein, dass mir das ein oder andere ungläubige Kichern entwich. Ich meine…rodeln. Das machen die kleinen Kinder! Rauf auf den Schlitten, zum nächsten Hügel ziehen wie so ein Packpferd und dann die 3 Meter runter rutschen lassen. Wer nicht bremsen kann hat kein Problem, im Tiefland fährt man mit so nem Schlitten nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit und bleibt irgendwann schon stehen. Meistens sogar noch auf der ausgewählten Strecke.
Der Andrang auf die Rodelbahn verlangte eine zusätzliche Aufsichtsperson, nichts Böses ahnend und auf einen ruhigen Schneehütte-Kaffee-Tag hoffend, meldete ich mich lässig für die Rodelbegleitung. Abenteuerliche Sachen hatte ich gehört, von stürzenden Schülern und Schlittencrashs, („Die schlimmsten Unfälle passieren uns beim rodeln!“) also holte ich einen Tag vorher doch mal Informationen und Tipps ein. Natürlich kam ich mir in meiner Skihose und der Winterjacke etwas doof vor, Helm war Pflicht und Gott sei Dank, waren nur die Snowboardhandschuhe wasserdicht…der Rest war Kinderkram!

Oben angekommen, schnappten sich alle einen Rodel*, riefen mir gutgemeinte (?!) Kommentare zu und waren weg. Schwupps und fort. Was war denn das? Wo ist das gemütliche zum kleinen Hang hin zotteln, schwatzen und Schlitten-anschieben? Vereinzelte Snowboard Schüler, die noch dekorativ im Schnee sassen, gaben mir schnell einen Crashkurs bezüglich bremsen, lenken und wo die Rodelpiste ist, dann gings los. Beine voraus, Füsse in die Luft halten, mit den Hacken lenken und an die Kurven denken. Unten angekommen sammelte ich den Schnee aus meinem Kragen (wir haben unterwegs zwei Schneekanonen gekreuzt), krempelte Hosen und Socken um (Schnee war bis zum Knie darin zu finden), verfluchte meine Stoffschuhe und staunte noch über das Tempo mit dem wir über manche festgefahrenen Schneehügel und Kurven geflogen sind! Fünf verfluchte Kilometer lang, f ü n f !
Jetzt wollte ichs aber wissen, nach ein paar Fahrten fachsimpelte ich mit den Schülern bereits darüber, wie man am besten durch diese oder jene eisbedeckte Stelle kam oder der Schneekanone ausweichen konnte, ohne auf den nächsten „Sprunghügel“ zu kommen! Fantastisch.

Zu Hause unterrichtete ich den Freund davon, dass wir nun öfter Schlitten fahren müssten.
Dann kam da der Urlaub. Auf diese Fahrt war ich vorbereitet, verwandelte mich in ein gut geschütztes Michelin-Männchen und lief so zeitlupig, wie in einem Hollywoodfilm zum Skiverleih. Die nächste Piste wartete schon, was für ein Spass!

*jawohl, der Rodel, weil man ja damit rodelt. Eigentlich logisch aber bei mir bleibt es ein Schlitten, auch wenn man nicht schlittelt.

0feel

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