Der Freund holt mich

Heute war so ein Tag, der hat geruckelt und gebuckelt, wie so ein Rodeotier… Oder eben ein Teenager in seiner besten pubertären Phase. Suchen sie sich was aus.

Mein Tag ging heute auch doppelt so lang, wie ein normaler Arbeitstag. Da komm mir noch mal jemand mit seinem Lehrer-haben-immer-Ferien-Argument!

Eigentlich sollte heute Vormittag entspannt werden, wäre er auch geworden, wenn nicht die sechzig jugendlichen darin hätten platz finden müssen. Viel wenn und hätte, das ich da gerade schreibe. Es war nicht schlecht, einfach etwas holprig. Der Tag begann mit 11 hubbeligem Jugendlichen und sechs Krankmeldungen. Der geplante Vortrag war mehr schlecht als recht vorbereitet, was das Publikum schnell merkte und genüsslich ausnutzte. Bis zum ersten grossen brüllen, 20 min nach Schulbeginn. Der mehr oder weniger zivilisierter Abschluss war weniger der vortragenden Gruppe als vielmehr dem hörsturtz vom Publikum geschuldet.

Die erste Diskussion des Tages folgte auf dem Fusse: warum müssen wir das machen und dürfen nicht an anderen Dingen arbeiten, ich hab das nicht gewusst?! Weil wir das seid zwei Wochen planen, ihr dafür Abgestimmt habt und ich es seid letzter Woche in eure täglichen Unterlagen schreibe. Den verständnislosen Gesichtern nach war das wohl nicht die erhoffte Antwort.

Die nächste Lektion brachte mir 2 zufrieden grinsende Schüler und 15 ahnungslose Gesichter – hausaufgabenkontrolle stand auf dem Plan. Die anschliessende ruhig, nachdenkliche, hinterfragende Stunde zu Rilkes Panther war von der achten Klasse eindeutig nicht so geplant. Nun haben sie neue Hausaufgaben und werden morgen ausschliesslich schriftlich arbeiten.

Die Klasse der ersten Stunde riss sich am Riemen und legte eine zwar unruhige aber interessante Stunde zu ihrem Thema hin und versöhnte mich so wieder etwas mit der Welt. Das die Kollegen heute ihre Klassen ähnlich empfanden tat sein übriges.

Die Stunde danach bestritt meine (momentan) inoffizielle Lieblingsklasse. Die geht so in ihrem Thema auf, dass wir beschlossen haben zu expandieren, es gibt so viele Ideen und Motivation, dass ich leicht beduselt und mit einem irren Lächeln aus der Klasse trat. Hier ist es im Moment nur eine Organisationsfrage, wir haben einfach zu wenig Zeit!

Wenn es um ihre Zukunft geht ist die nachfolgende klasse immer erstaunlich faul und wartet auf ein Angebot auf einem goldenen Tablett. Hier bitte, ihr haben diesen Beruf nur für dich gebacken, bitte nimm ihn doch. Ich bin es gewohnt, konzentrierte mich auf die sechs fleissigen/ verpflichteten Schüler. Müde war ich trotzdem, Montage sind immer ein harter Schlag.

Umräumen, umbauen,schieben,wischen, machen….so ein Elternabend sind nicht nur die 50 Minuten in denen man als Elternteil auf einem Stuhl sitzt und sich berieseln lässt, sondern da wird schon lange vorher dran geschafft. Endlich fertig und aufgehübscht stellte ich mich meinen Eltern, die erstaunlich ruhig, informiert und vor allem dankbar (?) waren. Die Schule übernimmt viel an der Berufswahl, Bewerbungen, Lebenslauf, Veranstaltungen, Aktualitäten… natürlich habe ich mir Hilfe erbeten aber auch aufgezeigt, was wir anbieten. Ob die Kids das nutzen wird sich bei der neuen Klasse noch zeigen. Jetzt gerade tippe ich auf so Lala, die üblichen verdächtigen eben ☺️

Der schnelle Blick in die oben erwähnten schnarchenden bringt Ernüchterung. Obwohl gar nicht dafür zuständig muss ich plötzlich rede und Antwort stehen. Die Familie muss Schon enorm viel übernehmen, die. Kinder informieren zu Hause gar nicht und warum die Schule nicht gleich die komplette Berufswahl macht, schliesslich kennt man als Eltern die Berufe ja nicht. Informiert muss man werden, am besten täglich, und eben die viele Arbeit! Blah… Meine höchsteigene Meinung war hier besser nicht gefragt. Meine Rettung war dann eine Mutter, die erzählte, wie das in anderen Schule läuft und was sie denn bitte für Vorstellungen hätten…am Ende des Satzes schlich ich mich aus dem Zimmer. War ja nicht meine verantwortliche Klasse. Hihi.

Eben jene Mutter passte mich an der Bushaltestelle nochmals ab und bedanke sich für die Berufswahl und die Arbeit die dahinter steckt. So wurde aus dem ruckeligen Rodeo doch noch ein geschmeidiger Abgang. Danke. Auch Lehrer brauchen solche streicheleinheiten ab und zu.

Am Ende holte der Liebe Freund meine müden Körper vom Zug ab. Das war herrlich, einfach anlehnen und ohne Verantwortung für busnummer, Zeit, Haltestelle oder sonstiges den Tag beenden. 😉 Auch dafür Danke.
Von dem elterlichen Wunsch, dass die stark Legasthenie geplagten Kinder neben der Schule zu bildungs- und Lesezwecken Kafka und Grass lesen sollten, später mehr.

0complet

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s