Blumenentscheidung

Die letzten Wochen waren nicht immer einfach. Ich haderte viel mit meiner ganz speziellen Gruppe. Dabei überlegte ich entweder in den euch-zeig-ichs-Modus zu gehen und weiterhin aufwändige, ausserschulische, etwas andere Aufgaben zu bringen bis ihnen klar wird, dass Schule miteinander nicht per se schlimm ist. Oder aber in den wie-ihr-wollt-Modus zu schalten, um ihnen mit sturem Frontalunterricht nach Buchseiten und Schreibheften zu zeigen, dass die Projekte vorher eben etwas Besonderes waren. Das problematische bei der Entscheidung war, dass ich gerne ausserhalb der Schule an speziellen Orte oder mit eigenständigem Lernen arbeite und gerade diese Gruppenkonstellation bei jeder Form motzen würde 😀

Zwischen Hausaufgaben, Planungen, Osterfeiertagen, erleichtertem Luftholen, vergessenen Hausaufgaben, mahnenden Elternmails und schnell angepassten Plänen kamen dann die Blumen.
Frühmorgens, mein Arbeitsplatz lag noch im dunkeln, ich trottete mit meinem vorschulischen Tunnelblick zum Lichtschalter und da standen sie. Drei rosa und cremefarbene Rosen, angenehm duftend, in einer Vase, mitten auf meinem Platz.

So geht der Tag doch gleich mal gut los!

Dabei stand eine Karte, in der sich eine Mutter/Familie bei mir bedankte. Also wirklich bei mir, nicht beim ganzen Team oder bei der Schule, sondern bei mir als Person. Für die Unterstützung ihres Sohnes – schulisch und zwischenmenschlich. Die Leistung für den einzelnen als Coach und Betreuer, als Lehrer und Erzieher. Dafür, dass aus dem kleinen unsichern  Aussenseiter-Nerd ein selbstbewusster, sozial integrierter Gymnasiast geworden ist. Für individuelle Lösungen, für spannende Projekte, die Grammatik erträglich machen, für fordernde Aufgaben im Fach in Hinblick auf die Prüfungsvorbereitung.
Dass der schlaksige Jugendliche, der ab und zu meinen fachlichen Rat sucht, sich seit einem halben Jahr aber pubertätsbezogen nicht mehr öffentlich von mir helfen lassen will war mir bereits schmerzhaft aufgefallen. Dass er zu hause aber Bedenken äussert, weil in der neuen Schule keine Frau Knisterbunt mehr sein wird, versüsste diese Erfahrung jedoch.
Der nun etwas knurrige Teenager, der mit seinem neu gefundenen Selbstbewusstsein öfter meine Stunde unterbricht wusste innerlich ganz genau, was er an uns Lehrern als Person und unseren Bemühungen im Fach zu schätzen gelernt hatte.

Ein paar Tage später kam ein Kuchen mit Dank ans Team ins Lehrerzimmer, meine Blumen nahm ich mit nach hause, aber die Karte, die klebt in meiner Agenda.
Fest steht: Nächste Woche geht die Kunst ins Museum und die spezielle Gruppe wird einen ganzen Tag lang draussen beschäftig. Weil in jeder Gruppe jemand stecken kann, der gerade für diese Erfahrung dankbar ist, auch im Stillen!

0klug

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Eine Antwort zu “Blumenentscheidung

  1. „…und wegen dieser seltenen Momente lohnt es sich, sich aufzuraffen und trotz aller Mühen weiter zu machen .“ deine Ma

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