Ferienstimmung

Heute sitze ich in der Schule und weiss bereits, dass ich eigentlich „nicht“ unterrichten werde. Die eine Klasse schreibt ein Diktat und lernt danach ihr Gedicht weiter, die andere hat ein sehr schwieriges Leseverständnis zum bearbeiten und die letzte Klasse schreibt einen Aufsatz über ihr Buch (sobald jeder einen letzten Hörtest gemacht hat).  Das heisst für mich vier Stunden rumsitzen und warten. Jetzt kommen gleich wieder alle mit Lehrerklischees an. Ihr macht ja eh nie was. Nur die Schüler arbeiten. Schokijob was du da machst. Tschja, für mich ist das nicht einfach. Was machst man den ganzen Tag ohne wirklich etwas zu machen? Ich komme mir vor wie ein Schüler der verzweifelt den Sekundenzeiger auf der Uhr beobachtet. Jetzt nach dem Mittag kann ich während den anderen Prüfungen wenigstens die bisher geschriebenen Diktate korrigieren. Das erspart am Abend Arbeit. Aber frei ist es eben doch nicht. Man muss da sein, aufmerksam, bei zwei Fragen pro Lektion Auskunft geben und dafür seinen Test genau kennen. Unruhe auflösen und immer wieder motivieren. Ja, auch bei Tests muss man das machen. Wer schon mal über 20 Minuten 120 Wörter vorgelesen, wiederholt, wiederholt und weiter gelesen hat während er darauf wartet, dass 20 Kinder in ihr Heft schreiben, weiss wie Nervenaufreibend das sein kann. Manchmal erwische ich mich Füsse baumeldn auf einem Tisch sitzen, weil ich in der Wartezeit im Zimmer rum laufe aber nicht gerne hinter Schülern stehen bleibe.
Auch in der Studiumszeit muss ich präsent sein und mehr Polizist als Lehrer spielen. Da kommen vielleicht 3 Anfragen an mich als Fachperson, der Rest ist sozialisieren und organisatorisch. Muss aber auch gemacht werden und ist für die Schüler ungemein wertvoll. Zeit in denen sie wirklich nur arbeiten und sich Tips holen können. In der Zwischenzeit schaue ich aus dem Fenster und überlege ob ich mit dem Kunstkurs heute draussen am See arbeiten möchte. Aber nein, die haben ja alle noch Projekte, die sie bis zum Schuljahresende, in zwei Wochen, fertig stellen müssen. Jeder hat seine Arbeit, zwei der hilfsbedürftigeren sind krank und ich kann nur die Fortschritte beobachten. Sicherlich könnte ich noch die allfällige Inventur machen oder mal wieder unser Material aufräumen… Ich mag doch nicht.

…aber im Endeffekt geht es uns wie den Schülern, schlimmer sogar, wir zählen die Tage, die Arbeitsstunden, die Anwesenheitsstunden – und bald sind doch Ferien!

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