Lagertag I – Ego streicheln

Es ist nass, kalt, grau und um acht. Ein ganzer Haufen Jugendlicher blinzelt uns verschlafen aus einem Berg von Taschen, Koffern und Rucksäcken an. Nach einigen aufmunternden Worten und letztem Raport machen wir uns auf zum Abenteuer Klassenlager. Wir starten frisch und voller Energie mit einem sprühten Gleiswechsel zwei Minuten vor Zugabfahrt. Kein Ding daran sind wir mittlerweile gewöhnt, alle wie die Entchen vor uns her treiben und Von der 12 auf die 33 stürmen. Kurze Absprache mit dem Schaffner ( wo ist unser reservierter wagen?) und prompt kommt die nächste Durchsage, der Zu fährt doch auf der 12!! Also alle Häschen einsammeln und los scheuchen, die Zeit läuft. Vor zum ersten Wagen, alle rein, alles besetzt?! Hilfloser Blick zum Schaffner und ihm nach in den vierten Wagen. Natürlich nicht durch den Zug sondern alle raus, Koffer ausladen und dann alle wieder rein. Herrlich. Verschwitzt und nur mässig gut eingestimmt starten wir mit knapp 10 Minuten Verspätung. 

Die Zugfahrt kommt mir kürzer vor als die Male davor, liegt wohl an den Velo-Katastrophen. Kaum im fahrenden Zug kommt nämlich besagter Schaffner und erklärt uns, dass er mit Velos im Wagon gar nicht fahren dürfte. Wegen uns hätte er einen Zugausfall melden müssen…wer macht denn bitte so was? Wohlgemerkt wegen einem Velo, seinen Tipp das ganze Ding auseinander zu nehmen damit er uns nicht büssen muss, ignorieren wir todesmutig. 

Umsteigen 1 verläuft nicht weniger hektisch, im strömenden Regen rennen wir auf unser Gleis und quetschen uns zu zwei weiteren Klassen in den Zug. Unnötig zu erwähnen, dass wir und die Koffer hier kaum genug Platz hatten, im Gang durften wir aber nicht stapeln und mussten der Schafnerin zeigen, dass wir alles wegräumen, die Frage war „wohin?“

Umsteigen 2 könnten wir uns schenken. Mit den 10 min Verspätung + 8 min beim Umsteigen war unser Anschlusszug weg. Also standen wir 45 min klappernd und schlotternd im Regen und versuchten uns an warmen Gedanken. 

Zug drei war zwar wieder eng aber das waren wir bereits gewöhnt. Allerdings erwiesen sich die 25 Minuten Fussweg vom Bahnhof zum Ferienhaus als Herausgorderung weil der Regen inzwischen deutlich zugenommen hatte und wir nun klitschnass, mit quietschenden Schuhen und tropfenden Haaren unsere Taschen Schultern mussten. Erst 13 Uhr errichten wir, tropfend wie ertrunkene Ratten unser Lagerhaus. 

Zimmer verteilen, Gruppen machen, Ingos geben und Zimmer beziehen. Schon 14 Uhr ging das Programm weiter – was ich erst mal um 5 Minuten verschlief. Nunja. Tanzen stand für mich auf dem Plan, in meinem aktuellen körperlichen Status eine Herausforderung, so dass ich mich mehr als Hilfskraft und ruheschaffendes Element sah. Leider sagen das die übriggebliebene. 32 Kinder nicht so und zappelten entweder haltlos herum, schubsten sich gegenseitig oder brüllten ihre Meinung durch den Raum. Die Neuste Beleidigung ist heute „He alter, tu nicht so schwanger!“ Wobei alle Beteiligten peinlich berührt gucken wenn man sie hört 😆

Die grössten Mimosen sind allerdings die Lehrer selbst. Lass mich ausreden. Fall mir nicht ins Wort. Ich bestimme gerade. Sprich nicht so mit mir vor den Schülern. Deine Organisation ist doof. Ich fühle mich übergangen. Das müssen wir heute noch im Team klären. Warum entscheidest du das so? Ich fühle mich dabei benachteiligt. Das mache ich nie wieder. …blablabla. Hier muss nun versöhnungsarbeit gleistet werden und jedem einzelnen ein wenig Zeit geopfert werden für Sorgen, Nöte oder einfach nur kleine Wehwehchen. 

Lehrer sind eben doch nur Menschen und manchmal einfach nur sensibel 😝

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