Der böse Mann und die unverschämten Frauen

Heute im Bus habe ich ihn getroffen, den bösen Mann. Der Freund findet es immer doof, wenn ich Leute nach den ersten 2 Minuten als doof, süss oder böse kategorisiere aber hier war es ein ganz eindeutiger und einfacher Fall. Um so erschreckender, dass es gleich mehrere an einem Tag waren.

Wir alle sassen in einem mässig vollen Bus, es gab noch genug freie Plätze überall. Für ihn die drei weiteren Plätze des Vierers und für mich die Zuschauerbank direkt dahinter. Zum „wir“ gehört auch eine junge Mutter mit ihrem kleinen Mädchen auf dem benachbarten Vierersitz. Die Hautfarbe, die Haare und auch die Kleidung der Mutter (Mädchen in herzig pinktem Tüllröckchen) zeigten bereits an, dass sie kulturell einen anderen Hintergrund hatte. Das ist hier so weit nicht ungewöhnlich, an manchen Morgen denke ich sogar mehr Englisch als Deutsch im Zug zu hören. Nun fing das Mädchen an sich mit der Mutter zu unterhalten, fragt mich bloss nicht in welcher Sprache, es war keine mir geläufige und die unüberhörbare Babysprache von Pinki machte das „Lauschen“ nicht einfacher. Das Kind quasselte und plapperte, zeigte auf jeden Baum und sicher auf 50 verschiedene Dinge von denen ich nicht wusste was gemeint war. Der Mann vor mir wohl auch nicht und das störte ihn. Er fing an laut vor sich hin zu murmeln und warf immer wieder böse Blicke und Gesten über den Gang. Die Beiden ignorierten ihn gekonnt, da gerade ein Bekannter einstieg und sich zu ihnen setzte. Sofort begann Pinki zu fremdeln, steckte sich die ganze Faust in den Mund und gab nur noch einzelne Wörter immer wieder zu wiederholen. Die beiden Erwachsenen unterhielten sich derweil prächtig in ihrer ungewohnten Sprache.
In der Mitte der Fahrt war das Eis wohl gebrochen, der Mann unterhielt sich angestrengt dechiffrierend mit dem Mädchen, das immer wieder aufgeregt aus unserem Fenster zeigte. Plötzlich wedelte der andere „böse“ Mann mit den Händen und stampfte mit dem Fuss auf, wie wenn man ein zudringliches Tier verscheuchen wollte. Das Immigrantensaupack, dass nur von seinen Steuern hier lebte und sicher nicht mal das Busticket bezahlt hätte, solle endlich Deutsch lernen, niemand wolle hier ihre unanständige Sprache aus der Wildnis. Das und weitere wüste Sachen sprudelte er der kleinen Gruppe entgegen, verschreckte das kleine Mädchen mit jedem lauten Satz mehr und machte so Hühner-scheuch-Bewegungen. Als niemand von ihnen Anstalten machte aus dem fahrenden Bus zu springen, setzte er sich laut zeternd in die Bank genau vor ihnen und wollte „Jetzt aber nicht mit dem Lärm gestört werden!“ Der Mann schaute frustriert, die Frau streichelte erschrocken das Mädchen, welches sich auf ihren Schoss verkrochen hatte. Das Beide mit dem Kind dann drei Stationen später im gleichen Quartier wie ich ausstiegen, fand ich sehr bezeichnend, denn von Luft und Liebe  oder auch nur einem Sozialzuschuss kann man hier beim besten Willen nicht leben.

Ein ähnlich anstössiges Beispiel, aber auf einem ganz anderen Level gaben mir ein paar (unverschämte) Mütter auf. In der grossen Pause sind unsere Junges auf dem Bolzplatz. Das ist gut so, denn hier werden sie viel Energie, Alphagehabe und Mädchenimponieren los, dass wir sonst im Klassenzimmer hatten.Während meiner letzten Aufsicht standen im Kleinkinderbereich (Sandkasten, Kletterschiff, Rutschbahn) fünf Mütter rum und liessen ihre Kinder nach der Schule und ausserhalb dem Schulgelände toben. Auch toll, Spiel und spass für alle. Als sich mit zwei Mütter näherte und wissen wollten, ob ich hier wohl Lehrerin wäre, dachte ich erst mal „Oh weh, hoffentlich ist nichts kaputt gegangen. So zimperlich sind meine da ja nicht.“ Aber nein, sie wollte mir unbedingt von gestern erzählen. Da waren sie nämlich mit ihren Kindern auch hier und die haben die grossen Fussballspielen gesehen und wollte dann natürlich auch. Die Mütter also hin zu meinen 16jährigen Fussballmachos und fragen, ob sie den Ball (der gerade mitten im Spiel war) für ihre Kinder leihen dürfte. Wie nicht anders erwartet und ganz natürlich, sagten meine einfach nein und spielten weiter. So weit so normal, kein Grund mich zu sorgen sondern eher zu schmunzeln.
Halt, falsche Reaktion! Die Mütter waren empört. Schliesslich gingen ihre Kinder in unserer Schule in die Kita und würden somit zur Schule gehören, also dürfen sie doch wohl das Material der Schule mitbenutzen. Was das denn für Umgangsformen sind und wenn das die Kinder der Oberstufe sind dann machen sie sich schon Gedanken was für einen Einfluss die auf ihre lieben Kleinen (die sich gerade mit der Schippe schlugen) haben würden (keinen). Der Hinweis, dass es ein privater Ball ist und die Jugendlichen sie ja gar nicht kannten zählte nicht. Und die schreckliche Lehrerin gestern habe die Kinder nicht mal verwarnt oder zur Entschuldigung angehalten. Nein, Recht habe sie ihnen gegeben, das muss man sich mal vorstellen! Das Ende vom Lied: Egal wie ich ihnen versuchte klar zu machen, dass die Oberstufe etwas rabiater ist, sich auspowert und dazu den selbstmitgebrachten Ball braucht, weil sie sonst nicht spielen können (logisch) – brachte nichts. So unpolite Jugendliche, ob wir die von der Gemeinde zugeteilt bekommen würden, schliesslich kennt man ja diese schwer erziehbaren oder unsozialen Kinder, die nirgendwo gewollte sind wegen ihrem schlimmen Verhalten. So unhöflich und gar nicht zuvorkommend, pah.
Nein, das sind alles normale Kinder, die freiwillig hier sind und deren Eltern sehr viel in ihre Bildung investieren. Schliesslich seien ihre Kidner ja auch an dieser Schule, sie kenne ja das Klientel, war mein Apell, der ungehört verhallte.

Sie werde sich das merken für die Schulleitung, und sowieso habe wegen diesem Vorfall heute jedes der Kinder (5) einen eigenen Ball dabei. Nicht dass es aussieht als wären sie auf uns angewiesen, ihrem Mann gehöre nämlich da die Restaurant-Kette.

Uff, damit beendete ich die Pause frühzeitig und somit auch das Gespräch. Wer weiss ob ich Alexander-Felix Jordan, der gerade Sand aus einem Eimer ass, ohne sich um den Haufen Bälle neben ihm zu kümmern, sonst nicht mein Beileid ausgesprochen hätte.

Das Märchen vom guten Arbeitgeber

Lange wars hier ruhig. In der Zeit ist mal gar nichts passiert (kein Grund zu Schreiben) und dann wieder so viel auf einmal (keine Zeit zum Schreiben). Das Wichtigste voraus: Ich bin wieder auf Stellensuche und mit dem lokalen Mutterschutz bzw. dem Verhalten den Arbeitgeber nicht zufrieden. Genau darum soll es in dem heutigen kleinen Märchen auch gehen:

Eines schönen Tages trug es sich zu, dass die Frau des Softwareentwicklers ihr Kind  in die Kita geben wollte. Dies war mit ihrem Herrn vor dem Mutterschutz abgesprochen und auch befürwortet wurden.  So machten sich der Softwareentwickler und die Frau also auf die Suche nach den höchst raren Kita-Plätzen und wurden nach fast einem Jahr endlich überraschend fündig. Eine gute Fee versprach ihnen gegen enorme Bezahlung einen Platz für den Jüngling.
Da die Eltern ihr Kind auch gerne etwas für sich haben wollten sprach die Frau des Softwareentwicklers bei ihrem Herrn vor und vereinbarte (früher als verlangt) eine brauchbare Lösung. Die gute Fee versprach auf den Jüngling zu achten, der Herr versprach die Entlohnung der Frau und gemeinsam versprachen der Softwareentwickler und seine Frau dafür die enormen Kosten der Fee zu decken. Alle freuten sich ihres Lebens und genossen die glückliche Fügung.

Das klingt doch so weit so gut, aber wie in allen Märchen kommt jetzt die grosse Wendung.

So wurde die Frau des Softwareentwicklers plötzlich von einem netten Gesellen gewarnt, dass der Herr ein falsches Spiel treiben würde und sie des Hofs verweisen wolle. Ganz aufgescheucht informierte sich die Frau bei Advokaten, Gelehrten und anderen Mit-Frauen – ging jedoch gemischter Gefühle zu einem spontanen Treffen und hoffte auf ein Missverständnis.
„Sie stellte sich gar freundlich, o Hänsel, welche Not!“ Ah, falsches Lied…
Betont joval und freundschaftlich begann nun das Gespräch, vor dem sich die Frau des Softwareentwicklers fürchtete. Es seien zu wenig Kunden am Hofe, deswegen gibt es hier keine Arbeit mehr für sie, nur aus purer Herzensgüte dürfe sie einmal pro Tag die Gesellen und Kunden am Hofe besuchen und für Wasser und Brot mit ihnen sprechen. Die getroffene Abmachung sei keinen Pfifferling wert. Die Frau, welche die Abmachung mit der guten Fee im Kopf hatte und an den Jüngling denken musste, wollte sich damit nicht abfinden und stellte den Herren auf die Probe. Dieser hat nun etwas Zeit zu beweisen, dass er auf der richtigen Seite des Märchens steht oder er wird die Frau des Softwareentwicklers nie wieder sehen. 

Die sucht jetzt nämlich eine neue Stelle. Das Vertrauen in den Arbeitgeber und die Anerkennung ihrer Leistung ist nämlich nicht mehr gewährleistet. Hoffen wir, dass nach Kündigungsschluss, mit den gestellten Anforderungen, in erreichbarer Entfernung und vereinbar mit dem Kitaplatz irgendwas zu finden ist…sind ja nun nicht gerade wenig Vorgaben.

Drückt mir die Daumen!

Maleficent

Der Schüler als Sieb

Es ist sonderbar. Da bin ich mir  so sicher, dass ich mit den Schülerlein im letzten Jahr so böse Sachen wie Wortarten oder Aktiv/Passiv behandelt habe. Ich bin mir sogar relativ sicher, dass wir die Wortgrammatik bereits im 7. Schuljahr behandelt haben, schliesslich habe ich einen Lehrplan und eine Jahresplanung und so was alles. Wenn ich da nachgucke steht es dick und fett drin „Wortarten der Primar repetieren“ und „Pronomen vertiefen“ und „Partikel kennenlernen“. Wie sag ich das jetzt der 9. Klasse, die mich am Donnerstag anschaute wie eine vom Scheinwerferlicht geblendete Kuhherde? Es kann doch bei allem Verständnis für Sommerferien-Demenz nicht sein, dass mir hier in der stärkeren Gruppe (die sich für die Gymiprüfung vorbereitet) 10 Schüler gegenüber sitzen und so tun, als hätten sie davon noch nie gehört? Der J. hat sich sogar die ganze Pronomentabelle nochmals von mir kopiert, weil er nicht mal die Personalpronomen zusammengebracht hat.
Jawoll, da fängt man an an sich zu zweifeln. Gut, dass ich oller Messi noch die Prüfungen bzw. Dossiers der letzten Jahre eingelagert hatte. Der J. hat im ersten Jahr in der Pronomenprüfung 90% erreicht, im grossen Wortartentest im 2. Jahr immerhin 83%…und jetzt steht der vor mir uns meint, er habe davon noch nie gehört? Na denken die ich bin blöd?
Wo geht eigentlich das ganze mühsam erarbeitete Wissen in den Ferien hin? an den gleichen Ort wo die einzelnen Socken aus der Waschmaschine wohnen? In diesem Altern kann ich ja noch nicht mal alkoholbedingtem Absterben von Hirnzellen dafür die Schuld geben.

Nun jedenfalls schreiben wir diese Wochen einen Kurztest zu den Wortarten, in allen drei Klassenstufen. Ich freue mich schon darauf den zukünftigen Lehrlingen zu zeigen, dass die 7. Klasse mehr von Pronomen versteht als sie. Meine Damen und Herren, es wird Zeit die Nasen tiefer in die Bücher zu stecken statt hochnäsig als Abschlussklasse durch die Gegend zu stöckeln! (Auch die anderen beiden Jahrgänge sind nicht so berauschend aber die Abschlussklasse ist gerade auch sonst unmöglich…)

Ich sehe mich eigentlich als meistens netten oder wenigstens fairen Lehrer. Aber mit solchem Verhalten triggern sie einfach meinen inneren Saukerl! Da kann man ihnen auch mal zeigen wo der Hammer hängt. Schliesslich gibt es bei mir für „keine Leistung“ auch „keine Punkte“, wäre ja noch schöner. Nun ja,wir werden sehen…

0daemlich

Lagertag IV -Grillen und Ziegen

Das Bergfest ist um und uns schwinden plötzlich die Lagerleiter. Leiterin I verschwand ganz nach Plan am Mittwoch Morgen – da warens nur noch 6. Leiter II kam bereits angeschlagen zum Montagstreffpunkt und erkrankte bis Wochenmitte schwer – da warens nur noch 5. Leiter III wollte planmässig am Donnerstag Nachmittag abreisen, hiesse eine Nacht und den Abschlusstag zu 4. Leiter IV bekam noch im Lager einen schweren familiären Notfall und musste notgedrungen Donnerstag Nacht abreisen – man sieht noch drei leicht grünliche Leiter vor der versammelten Oberstufen. Nunja.

Zäh wie alte Schulbücher zogen wir user Programm trotzdem durch. Die Schüler waren schon verwirrt genug davon, dass alle Lehrer die Flucht zu ergreifen schienen. Mit Google Maps, Telefonnummern, neuen Gruppeneinteilungen (nur noch 2 möglich) und einem guten Berg an Schokolade bewaffnet stellten wir uns dem Tagesprogramm. So Wanderten wir ein wenig, fuhren mit 30 Minuten Verspätung Zug, Wanderten weiter (erst in die falsche Richtung), liefen quer über eine Passstrasse und standen schliesslich knietief am Ursprung des Rheins. Hier bekamen wir nach einem zünftigen Lagerfeuer eine Einführung in die Geologie der Region und versuchten uns dann am Goldschürfen. Glitschige Steine, klettern, bücken, kalt werden und noch Schüler beaufsichtigen ist ja, wie bereits oft genug erwähnt, momentan nicht meine beste Leistung. Also war ich froh über einen Kollegen, der seine ganzen Pläne kurz beiseite schob, um mich bei dieser Aktion nicht alleine zu lassen. Danke, auch deiner Familie.
Die andere Gruppe (wir hatten Mittags getauscht) war so lange Baden und bereitete die bigbigParty für den Abend vor.

Zwar hatten wir nach ein paar Stunden kein kaum (mikroskopisch grosse Fitzelchen) Gold gefunden, dafür aber frei grasende  Ziegen gestreichelt, bevor diese die wild kreischenden Mädchen zurück in den Fluss trieben. Was für ein Schauspiel! 🙂

Die Party war nicht so der Bringer, dafür waren wir ein paar Stunden davor (zum dritten Mal?) Grillen und Lagerfeuer machen. Die sonst sooooo erwachsenen Schüler assen mit den Fingern, spielten im Wald verstecken und sammelten Stöcke. Auch mal schön.

Heute war Tag Icks

Wie gestern angekündigt traten heute noch vor halb neuen morgens, 14 Teenies und vier Betreuer zur Monsterroute auf. JA, der Name war Programm. Für mich war bereits nach den ersten 3,5 Stunden nicht nachvollziehbar, wie man als verantwortungsbewusster Pädagoge mit gesundem Menschenverstand und Einschätzungsvermögen diese Route auswählen konnte. Natürlich, bei Berufsfaulheit passiert so was ausversehen, aber beim zuständigen Kollegen wusste ich aus seinen Erzählungen, dass er höchst selbst rekken (also rekognoszieren = vorwandern) war.

Die Ankündigung beim Morgeappell war „Die erste Strecke wird steil, dann habt ihr das Schlimmste geschafft.“ Um das vorwegzunehmen, die steile Strecke war 15 Uhr überwunden und danach ging es fast noch steiler (und gar nicht mal so ungefährlich) wieder bergab. Irgendwo, nach ca 2/3 des Weges war eine Feuerstelle zum Kochen eingeplant. Diese wurde uns ab halb elf mit „gleich da um die Ecke“ oder „nur noch 20 Minuten“ in Aussicht gestellt. Nicht nur meine Füsse qualmten, auch mein Fluchwortwortschatz erschöpfte sich bis dort langsam aber sicher. (Gut, dass die meisten Wörter auch bei einem herzhaften 3x ihren Sinn nicht verlieren :p)
Bis dorthin schlugen sich die meisten Jugendlichen ganz gut, sprangen einmal in einen eiskalten Bach, staubten unterwegs beim Bauern frische Milch ab und sangen in 45-minütiger Schleife „Barbiegirl“. Für mich gab es in der Zeit lediglich eine Blase, einen Schnitt und eine dicke Beule zu verarzten.

Für das danach bin ich jetzt zu müde. Meine Füsse haben unter den Blasenpflastern Blasen bekommen und in der S-Bahn habe ich (den Blicken nach) wohl gestunken wie ein Iltis. Kurzes Beileid an meine Sitznachbarn. Meine Wasser- und Energieriegelvorräte sind aufgebraucht und einfach alles was ich dabei hatte muss jetzt unbedingt in die Wäsche. Sobald ich mich aufraffen kann. Dann. Gleich.

Gute Nacht, platt vom Sofa, mit Schoki

0nutella

Tag eins

Nach den schönen drei Ferienwochen, kam heute der erste Schultag. Also wenn man das so sagen kann. Noch ganz im Ferienmotto steht bei uns nämlich eine Art Wanderwoche an. Oberthema sind Gesundheit und Bewegung, normalerweise mit Frühsport und Vorträgen vermittelt. Alles olle Kamellen, wir haben das überholte Programm über den Haufen geworfen und wollen innerhalb einer Woche um den Städtischen (Riesen!)-See wandern. Das machen wir zu Fuss, mit dem Rad, mit dem Paddelboot oder auch mal kurze Strecken mit dem ÖV. Ja da haben wir uns was vorgenommen! Aber bis jetzt kommt das Programm bei den 13-jährigen erstaunlich gut an.

Gestartet haben wir mit einem phänomenalen Brunch. Alle Schüler haben mit geschnippelt, gestrichen, gerührt und natürlich auch gegessen. Es gab Fruchtsalat, Gemüseteller, Vollkornbrote, Tomate-Mozzarella, Müsli, Quarkspeise und viel zu trinken. Und dann waren die auch noch ganz unkompliziert, jeder ass einfach mal alles. Nur eine wollte keinen Schinken, aber das ist okay, will ich ja auch nicht immer. Wie die ganzen Lebensmittel dahin gekommen sind ist ein anderes Thema. An dieser Stelle ein unauffälliger Gruss an den Freund, der heute später auf Arbeit kam, um mir die tonnenschweren Tüten zu schleppen. :*

Nach einem kurzen Umweg über Ernänhrungsrichtlinien, Pyramiden, Klischeefragen und Ernährungsformen spendeten wir die Reste* an die arme Oberstufe. Die mussten nämlich in der Schule bleiben und Kopfaufgaben lösen. Dann gings auch schon los.
Eine Weile durch die  Sonne und dann der erste Boxenstopp am Fluss. Füsse reinhängen und Seele baumeln lassen. Danach gings durch den Wald. Wildtiere sahen wir keine, die wurden schon Kilometerweit von diversen jugendlichen Schlachtrufen vorgewarnt.
Mit viel Elan und vor allem Tempo düsten meine Schützlinge durch die Wanderwege. Hatte ich am vorherigen Wochenende noch damit gerechnet, dass wir im typischen Schülerschleichtempo wohl sicher eine Stunde länger unterwegs wären als ich (1,5h), waren wir in 1,5 h (mit vielen Sammel- und Trinkpausen!) am Bahnhof und guckten verblüfft auf die Uhr.

Was soll ich sagen? Eis für alle, kurz meditieren am See und dann nach hause! Morgen auf ein Neues, dann kommt die Monsterstrecke mit mehr als sechs Stunden reiner Laufzeit.

0halloween2015

Meine Albträume vor dem Brunch…

*Reste, ha!? Das waren noch leckere Portionen, keine angefressenen Teller. Die Kiddies waren sehr enthusiastisch beim vorbereiten….

Blumenentscheidung

Die letzten Wochen waren nicht immer einfach. Ich haderte viel mit meiner ganz speziellen Gruppe. Dabei überlegte ich entweder in den euch-zeig-ichs-Modus zu gehen und weiterhin aufwändige, ausserschulische, etwas andere Aufgaben zu bringen bis ihnen klar wird, dass Schule miteinander nicht per se schlimm ist. Oder aber in den wie-ihr-wollt-Modus zu schalten, um ihnen mit sturem Frontalunterricht nach Buchseiten und Schreibheften zu zeigen, dass die Projekte vorher eben etwas Besonderes waren. Das problematische bei der Entscheidung war, dass ich gerne ausserhalb der Schule an speziellen Orte oder mit eigenständigem Lernen arbeite und gerade diese Gruppenkonstellation bei jeder Form motzen würde 😀

Zwischen Hausaufgaben, Planungen, Osterfeiertagen, erleichtertem Luftholen, vergessenen Hausaufgaben, mahnenden Elternmails und schnell angepassten Plänen kamen dann die Blumen.
Frühmorgens, mein Arbeitsplatz lag noch im dunkeln, ich trottete mit meinem vorschulischen Tunnelblick zum Lichtschalter und da standen sie. Drei rosa und cremefarbene Rosen, angenehm duftend, in einer Vase, mitten auf meinem Platz.

So geht der Tag doch gleich mal gut los!

Dabei stand eine Karte, in der sich eine Mutter/Familie bei mir bedankte. Also wirklich bei mir, nicht beim ganzen Team oder bei der Schule, sondern bei mir als Person. Für die Unterstützung ihres Sohnes – schulisch und zwischenmenschlich. Die Leistung für den einzelnen als Coach und Betreuer, als Lehrer und Erzieher. Dafür, dass aus dem kleinen unsichern  Aussenseiter-Nerd ein selbstbewusster, sozial integrierter Gymnasiast geworden ist. Für individuelle Lösungen, für spannende Projekte, die Grammatik erträglich machen, für fordernde Aufgaben im Fach in Hinblick auf die Prüfungsvorbereitung.
Dass der schlaksige Jugendliche, der ab und zu meinen fachlichen Rat sucht, sich seit einem halben Jahr aber pubertätsbezogen nicht mehr öffentlich von mir helfen lassen will war mir bereits schmerzhaft aufgefallen. Dass er zu hause aber Bedenken äussert, weil in der neuen Schule keine Frau Knisterbunt mehr sein wird, versüsste diese Erfahrung jedoch.
Der nun etwas knurrige Teenager, der mit seinem neu gefundenen Selbstbewusstsein öfter meine Stunde unterbricht wusste innerlich ganz genau, was er an uns Lehrern als Person und unseren Bemühungen im Fach zu schätzen gelernt hatte.

Ein paar Tage später kam ein Kuchen mit Dank ans Team ins Lehrerzimmer, meine Blumen nahm ich mit nach hause, aber die Karte, die klebt in meiner Agenda.
Fest steht: Nächste Woche geht die Kunst ins Museum und die spezielle Gruppe wird einen ganzen Tag lang draussen beschäftig. Weil in jeder Gruppe jemand stecken kann, der gerade für diese Erfahrung dankbar ist, auch im Stillen!

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